Ci Wu Jia — Sibirischer Ginseng

Das sanfte Adaptogen fĂŒr Qi, Ausdauer und innere Ruhe

Sowjetische Wissenschaftler entdeckten in den 1960ern, dass der Sibirische Ginseng die Ausdauer von Kosmonauten und Olympiateilnehmern steigerte — ein Adaptogen, das in der TCM lĂ€ngst als Qi–Tonikum der oberen Klasse bekannt war.

Siberian ginseng Acanthopanacis Senticosi Radix et Caulis ćˆșäș”抠 Ci Wu Jia

Flavor ⓘ Spicy, Bitter
Temperature ⓘ Warm
Meridian ⓘ Spleen, kidney, heart
Plant part ⓘ Root
Class ⓘ Upper class
Direction of action ⓘ Qi-tonifying

Helps with ⓘ Qi deficiency

Ci Wu Jia — die Wurzelrinde des Sibirischen Ginsengs — gehört zur oberen Klasse des ShĂ©n NĂłng Běn Cǎo JÄ«ng und kann daher langfristig eingenommen werden. Obwohl kein echter Ginseng, teilt es viele adaptogene Eigenschaften mit Ren Shen.

In der TCM wird es als mildes, aber ausdauerndes Qi–Tonikum geschĂ€tzt, das Milz–Qi und Nieren–Yang stĂ€rkt, ohne die hitzige Wirkung des echten Ginsengs zu entfalten. Besonders bei chronischer Erschöpfung und Stressbelastung hat es sich bewĂ€hrt.

Effect from a Western perspective

Eleutheroside — die Hauptwirkstoffe — gehören zu den am besten erforschten pflanzlichen Adaptogenen. Die Forschungsgeschichte beginnt in den 1960er–Jahren mit der sowjetischen Sportmedizin.
  • Adaptogene Wirkung — erhöht die unspezifische Stressresistenz des Organismus
  • Immunstimulierende Effekte — steigert die AktivitĂ€t natĂŒrlicher Killerzellen
  • Verbesserung der körperlichen Ausdauer und ErholungsfĂ€higkeit in Belastungsstudien
  • Positive Effekte auf kognitive Leistung und KonzentrationsfĂ€higkeit
  • Blutzuckerregulierende Wirkung — senkt postprandiale Glukosespiegel

Effect from a TCM perspective

Ci Wu Jia tonisiert Milz–Qi und Nieren–Yang, stĂ€rkt Sehnen und Knochen und beruhigt das Shen. Es transformiert Feuchtigkeit und unterstĂŒtzt die körperliche wie geistige Belastbarkeit.
  • Tonisiert Milz–Qi bei Appetitlosigkeit, MĂŒdigkeit und chronischer Erschöpfung
  • StĂ€rkt Nieren–Yang bei RĂŒcken– und Knieschmerzen und allgemeiner SchwĂ€che
  • Beruhigt das Shen bei Schlafstörungen, Unruhe und KonzentrationsschwĂ€che
  • StĂ€rkt Sehnen und Knochen bei Bi–Syndromen der unteren ExtremitĂ€ten
  • Transformiert Feuchtigkeit und stĂ€rkt das Wei–Qi bei InfektanfĂ€lligkeit
TCM–Anwendung: Ci Wu Jia

Application & dosage

Ci Wu Jia wird im Dekokt mit 9–15 g verwendet. Als Kraut der oberen Klasse ist eine langfristige Einnahme möglich und sogar erwĂŒnscht — die adaptogene Wirkung baut sich ĂŒber Wochen auf.

In der westlichen Phytotherapie ist Ci Wu Jia auch als standardisierter Extrakt, Tinktur und in Tablettenform erhÀltlich. Die Einnahme erfolgt idealerweise morgens, da es die Wachheit fördern kann.

Dosage forms

  • Dekokt — klassische Abkochung der Wurzelrinde
  • Granulat — standardisiertes Konzentratgranulat zum Auflösen
  • Tabletten — hĂ€ufig als standardisierter Extrakt verfĂŒgbar
  • Tinktur — alkoholischer Auszug, 2–3 ml, 2× tĂ€glich

Dosage

  • Dekokt: 9–15 g tĂ€glich
  • Granulat: 2–5 g tĂ€glich
  • Standardisierter Extrakt: gemĂ€ĂŸ Herstellerangabe
  • Tinktur: 2–3 ml (1:5), 2× tĂ€glich

Frequent combination partners

Ci Wu Jia entfaltet seine volle Wirkung oft erst in Kombination mit anderen KrÀutern

Combinations & formulas

  • Huang Qi zur StĂ€rkung des Wei–Qi bei InfektanfĂ€lligkeit und chronischer Erschöpfung — zwei Qi–Tonika, die sich ideal ergĂ€nzen
  • Du Zhong and Niu Xi bei Nieren–Yang Mangel mit RĂŒcken– und Knieschmerzen
  • Wu Wei Zi and Yuan Zhi bei Shen–Unruhe mit Schlafstörungen und KonzentrationsschwĂ€che
  • Dang Shen and Bai Zhu bei Milz–Qi–Mangel mit Appetitlosigkeit und MĂŒdigkeit

History & Tradition

Ci Wu Jia wurde bereits im ShĂ©n NĂłng Běn Cǎo JÄ«ng erwĂ€hnt und als Kraut der oberen Klasse gefĂŒhrt — eine Einstufung, die seine Sicherheit und Eignung fĂŒr die Langzeitanwendung bestĂ€tigt. Lǐ ShĂ­zhēn beschrieb es im Běn Cǎo Gāng MĂč (1578) als Mittel, das „die Sehnen stĂ€rkt und die Knochen krĂ€ftigt“.

In der sowjetischen Sportmedizin der 1960er–Jahre erlangte Ci Wu Jia unter dem Namen Eleutherococcus Weltruhm. Der Pharmakologe Israel Brekhman erforschte seine adaptogenen Eigenschaften systematisch und setzte es bei Kosmonauten, Olympia–Athleten und Soldaten ein. Seine Studien begrĂŒndeten das moderne Konzept der „Adaptogene“ — Substanzen, die die unspezifische Widerstandskraft gegen Stress erhöhen.

Diese Verbindung von jahrtausendealter TCM–Tradition und moderner sowjetischer Forschung macht Ci Wu Jia zu einem der faszinierendsten KrĂ€uter an der Schnittstelle zwischen Ost und West. Heute gehört es weltweit zu den am hĂ€ufigsten verwendeten pflanzlichen NahrungsergĂ€nzungsmitteln.

Contraindications & caution

Nicht anwenden bei Yin–Mangel mit Hitze–Zeichen — die warme Natur kann die Hitze verstĂ€rken. Vorsicht bei Bluthochdruck, da Ci Wu Jia den Blutdruck leicht erhöhen kann.

Wechselwirkungen mit Digoxin (Herzglykosid) sind beschrieben — kann den Digoxin–Spiegel beeinflussen. Bei gleichzeitiger Einnahme von BlutverdĂŒnnern oder Diabetes–Medikamenten Ă€rztliche RĂŒcksprache empfohlen. In der Schwangerschaft und Stillzeit nur nach Ă€rztlicher Beratung.

Pflanzenfoto: Ci Wu Jia

Botany

Eleutherococcus senticosus (Rupr. & Maxim.) Maxim. ist ein dorniger Strauch aus der Familie der AraliengewĂ€chse (Araliaceae) — derselben Familie wie der echte Ginseng (Panax ginseng). Er wird 2–3 m hoch und trĂ€gt handförmig gefiederte BlĂ€tter mit fĂŒnf FiederblĂ€ttchen. Die unscheinbaren BlĂŒten sind gelblich–grĂŒn bis violett und stehen in kugeligen Dolden.

Die Arzneidroge besteht aus der getrockneten Wurzel und Wurzelrinde, die außen graubraun und innen gelblich–weiß ist. Die Rinde zeigt im Querschnitt ein faseriges Muster. Der Geschmack ist leicht sĂŒĂŸlich–bitter mit einer scharfen Note. Die zahlreichen Dornen an den StĂ€ngeln gaben der Pflanze den chinesischen Namen Ci Wu Jia — „der dornige FĂŒnf–Blatt–Strauch“.

Occurrence

  • Nordost–China — HeilĂłngjiāng, JĂ­lĂ­n und LiĂĄonĂ­ng
  • Sibirien — Amurgebiet und Sachalin
  • Korea, Japan und nördliche Mongolei
  • Bevorzugt BergwĂ€lder und Dickichte in 300–1500 m Höhe
  • Kultiviert in Russland und zunehmend in Europa

Harvest time

  • Ernte im FrĂŒhjahr oder Herbst bei Pflanzen ab 5 Jahren Alter
  • Die Wurzeln werden ausgegraben und die Rinde abgeschĂ€lt
  • Herbsternte gilt als qualitativ hochwertiger — höherer Eleutherosid–Gehalt

Processing

Ci Wu Jia wird ĂŒberwiegend als Rohdroge verwendet, um das vollstĂ€ndige Wirkstoffspektrum zu erhalten.
  • Rohdroge (Shēng CĂŹ Wǔ Jiā) — Standardform:
    1. Wurzeln waschen und Rinde abschÀlen
    2. In Scheiben oder StĂŒcke schneiden
    3. An der Luft oder bei niedriger Temperatur trocknen
  • Extrakt — in der westlichen Phytotherapie verbreitet:
    1. Getrocknete Wurzel mit Ethanol–Wasser–Gemisch extrahieren
    2. Standardisierung auf Eleutherosid B und E
    3. Trocknung zum Trockenextrakt oder Verarbeitung als Tinktur

Related herbs

Herbs with similar effects and related areas of application

Comparable western herbs

  • Rosenwurz (Rhodiola rosea) — eines der bekanntesten westlichen Adaptogene, in Skandinavien und Russland seit Jahrhunderten bei Erschöpfung und Stress eingesetzt. Wie Ci Wu Jia steigert es die Stressresistenz und verbessert die kognitive Leistung.
  • Ashwagandha (Withania somnifera) — das wichtigste Adaptogen der ayurvedischen Medizin. Ähnlich wie Ci Wu Jia tonisiert es die Lebensenergie und beruhigt gleichzeitig den Geist — eine seltene Kombination aus StĂ€rkung und Beruhigung.
  • Siberian ginseng (Eleutherococcus senticosus) — unter diesem Namen in der europĂ€ischen Phytotherapie als zugelassenes pflanzliches Arzneimittel bekannt, identisch mit Ci Wu Jia. In Europa als „traditionelles pflanzliches Arzneimittel“ bei Erschöpfung und SchwĂ€che monographiert.