Ci Wu Jia — Sibirischer Ginseng
Ci Wu Jia — die Wurzelrinde des Sibirischen Ginsengs — gehört zur oberen Klasse des Shén Nóng Běn Cǎo Jīng und kann daher langfristig eingenommen werden. Obwohl kein echter Ginseng, teilt es viele adaptogene Eigenschaften mit Ren Shen.
In der TCM wird es als mildes, aber ausdauerndes Qi–Tonikum geschätzt, das Milz–Qi und Nieren–Yang stärkt, ohne die hitzige Wirkung des echten Ginsengs zu entfalten. Besonders bei langanhaltender Erschöpfung und Stressbelastung hat es sich bewährt.
Wirkung aus TCM–Sicht
Ci Wu Jia tonisiert Milz–Qi und Nieren–Yang, stärkt Sehnen und Knochen und beruhigt das Shen. Es transformiert Feuchtigkeit und unterstützt die körperliche wie geistige Belastbarkeit.
- Tonisiert das Milz–Qi — bei Müdigkeit und anhaltender Erschöpfung durch Milz–Qi–Mangel
- Stärkt Nieren–Yang — bei Schwäche in Rücken und Knien und allgemeiner Schwäche
- Beruhigt das Shen — bei Unruhe und Konzentrationsschwäche
- Stärkt Sehnen und Knochen — bei Bi–Syndromen der unteren Extremitäten
- Transformiert Feuchtigkeit — und stärkt das Wei–Qi zur Abwehr äußerer pathogener Faktoren
Anwendung & Dosierung
Ci Wu Jia wird im Dekokt mit 9–15 g verwendet. Als Kraut der oberen Klasse ist eine langfristige Einnahme möglich und sogar erwünscht — die adaptogene Wirkung baut sich über Wochen auf.
In der westlichen Pflanzenheilkunde ist Ci Wu Jia auch als standardisierter Extrakt, Tinktur und in Tablettenform erhältlich. Die Einnahme erfolgt idealerweise morgens, da es die Wachheit fördern kann.
Darreichungsformen
- Dekokt — klassische Abkochung der Wurzelrinde
- Granulat — standardisiertes Konzentratgranulat zum Auflösen
- Tabletten — häufig als standardisierter Extrakt verfügbar
- Tinktur — alkoholischer Auszug, 2–3 ml, 2× täglich
Dosierung
- Dekokt: 9–15 g täglich
- Granulat: 2–5 g täglich
- Standardisierter Extrakt: gemäß Herstellerangabe
- Tinktur: 2–3 ml (1:5), 2× täglich
Häufige Kombinationspartner
Ci Wu Jia entfaltet seine volle Wirkung oft erst in Kombination mit anderen Kräutern
Geschichte & Tradition
Ci Wu Jia wurde bereits im Shén Nóng Běn Cǎo Jīng erwähnt und als Kraut der oberen Klasse geführt — eine Einstufung, die seine Sicherheit und Eignung für die Langzeitanwendung bestätigt. Lǐ Shízhēn beschrieb es im Běn Cǎo Gāng Mù (1578) als Mittel, das „die Sehnen stärkt und die Knochen kräftigt“.
In der sowjetischen Sportmedizin der 1960er–Jahre erlangte Ci Wu Jia unter dem Namen Eleutherococcus Weltruhm. Der Wissenschaftler Israel Brekhman erforschte seine adaptogenen Eigenschaften systematisch und setzte es bei Kosmonauten, Olympia–Athleten und Soldaten ein. Seine Studien begründeten das moderne Konzept der „Adaptogene“ — Substanzen, die die unspezifische Widerstandskraft gegen Stress erhöhen.
Diese Verbindung von jahrtausendealter TCM–Tradition und moderner sowjetischer Forschung macht Ci Wu Jia zu einem der faszinierendsten Kräuter an der Schnittstelle zwischen Ost und West. Heute gehört es weltweit zu den am häufigsten verwendeten pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln.
Kontraindikationen & Vorsicht
Nicht anwenden bei Yin–Mangel mit Hitze–Zeichen — die warme Natur kann die Hitze verstärken. Vorsicht bei Bluthochdruck, da Ci Wu Jia den Blutdruck leicht erhöhen kann.
Wechselwirkungen mit Digoxin (Herzglykosid) sind beschrieben — kann den Digoxin–Spiegel beeinflussen. Bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern oder Antidiabetika ärztliche Rücksprache empfohlen. In der Schwangerschaft und Stillzeit nur nach ärztlicher Beratung.
Botanik
Eleutherococcus senticosus (Rupr. & Maxim.) Maxim. ist ein dorniger Strauch aus der Familie der Araliengewächse (Araliaceae) — derselben Familie wie der echte Ginseng (Panax ginseng). Er wird 2–3 m hoch und trägt handförmig gefiederte Blätter mit fünf Fiederblättchen. Die unscheinbaren Blüten sind gelblich–grün bis violett und stehen in kugeligen Dolden.
Die Droge besteht aus der getrockneten Wurzel und Wurzelrinde, die außen graubraun und innen gelblich–weiß ist. Die Rinde zeigt im Querschnitt ein faseriges Muster. Der Geschmack ist leicht süßlich–bitter mit einer scharfen Note. Die zahlreichen Dornen an den Stängeln gaben der Pflanze den chinesischen Namen Ci Wu Jia — „der dornige Fünf–Blatt–Strauch“.
Vorkommen
- Nordost–China — Heilóngjiāng, Jílín und Liáoníng
- Sibirien — Amurgebiet und Sachalin
- Korea, Japan und nördliche Mongolei
- Bevorzugt Bergwälder und Dickichte in 300–1500 m Höhe
- Kultiviert in Russland und zunehmend in Europa
Erntezeit
- Ernte im Frühjahr oder Herbst bei Pflanzen ab 5 Jahren Alter
- Die Wurzeln werden ausgegraben und die Rinde abgeschält
- Herbsternte gilt als qualitativ hochwertiger — höherer Eleutherosid–Gehalt
Verarbeitung
Ci Wu Jia wird überwiegend als Rohdroge verwendet, um das vollständige Inhaltsstoffspektrum zu erhalten.- Rohdroge (Shēng Cì Wǔ Jiā) — Standardform:
- Wurzeln waschen und Rinde abschälen
- In Scheiben oder Stücke schneiden
- An der Luft oder bei niedriger Temperatur trocknen
- Extrakt — in der westlichen Kräuterheilkunde verbreitet:
- Getrocknete Wurzel mit Ethanol–Wasser–Gemisch extrahieren
- Standardisierung auf Eleutherosid B und E
- Trocknung zum Trockenextrakt oder Verarbeitung als Tinktur
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