Gui Zhi — Zimtzweige

Wärmt die Leitbahnen und harmonisiert Ying und Wei

Die Rezeptur, die Ying und Wei harmonisiert, ist die allererste Formel im Shānghán Lùn und gilt als die perfekteste der chinesischen Medizin. Die jungen Zimtzweige wärmen die Oberfläche, ohne wie Ma Huang zu schwitzen.

Zimtzweige Cinnamomi Ramulus 桂枝 Gui Zhi

Geschmack Süß, Scharf
Temperatur Warm
Meridian Herz, Lunge, Blase
Pflanzenteil Zweig
Klasse Obere Klasse
Wirkrichtung Wind–Kälte befreiend

Hilft bei Kälte

Gui Zhi — die jungen Zweige des Zimtbaums — gehören zu den ältesten und meistverwendeten Kräutern der TCM. Anders als Rou Gui (Zimtrinde) wirkt Gui Zhi an der Oberfläche und in den Leitbahnen.

Es befreit bei Wind–Kälte, wärmt die Leitbahnen bei Bi–Blockaden und fördert die Yang–Qi–Zirkulation. Die legendäre Rezeptur, die Ying und Wei harmonisiert, ist eine der berühmtesten Formeln des Shāng Hán Lùn.

Wirkung aus TCM–Sicht

Gui Zhi befreit die Oberfläche bei Wind–Kälte und reguliert das Ying– und Wei–Qi — es harmonisiert, statt wie Ma Huang aggressiv zu öffnen:

  • Befreit die Oberfläche — bei Wind–Kälte mit Schwitzen, reguliert Ying– und Wei–Qi
  • Wärmt die Leitbahnen — bei Kälte–Bi mit Steifheit der Gelenke, Taubheit und kalten Extremitäten
  • Unterstützt das Herz–Yang — und fördert die Blut–Zirkulation im gesamten Körper
  • Transformiert Wasser — und löst gestaute Feuchtigkeit bei Yang–Mangel
  • Löst Blut–Stase — im Uterus und reguliert die Menstruation
TCM–Anwendung: Gui Zhi

Anwendung & Dosierung

Gui Zhi wird im Dekokt in einer Standarddosis von 3–9 g eingesetzt. Bei akutem Wind–Kälte–Muster sind 6–9 g üblich, als Yang–Unterstützung in Rezepturen genügen 3–6 g.

In der Abkochung wird Gui Zhi relativ spät zugegeben (letzte 10–15 Min.), da die flüchtigen ätherischen Öle bei langem Kochen verloren gehen. In Granulat– und Tinkturform ist eine niedrigere Dosierung ausreichend.

Darreichungsformen

  • Dekokt — spät zugeben (letzte 10–15 Min.), um die ätherischen Öle zu erhalten
  • Granulat — konzentriertes Extrakt, in warmem Wasser auflösen
  • Tabletten und Kapseln — als standardisierter Extrakt
  • Pulver — 1,5–3 g täglich in warmem Wasser
  • Tinktur — 1:5 Auszug, 2–4 ml, 2–3× täglich

Dosierung

  • Dekokt: 3–9 g (Standard), 6–9 g bei Wind–Kälte, 3–6 g als Yang–Stütze
  • Granulat: 1–3 g täglich
  • Pulver: 1,5–3 g täglich
  • Tinktur: 2–4 ml (1:5), 2–3× täglich

Häufige Kombinationspartner

Gui Zhi entfaltet seine volle Wirkung oft erst in Kombination mit anderen Kräutern

Geschichte & Tradition

Die Rezeptur, die Gui Zhi mit Bai Shao verbindet, steht als allererste im Shāng Hán Lùn — Zhang Zhongjing stellte sie bewusst an den Anfang seines epochalen Werkes. Sie gilt als die perfekteste Formel der chinesischen Medizin und verkörpert das Prinzip der Harmonisierung: Gui Zhi wärmt und öffnet die Oberfläche, Bai Shao sammelt und nährt das Yin — gemeinsam bringen sie Ying– und Wei–Qi ins Gleichgewicht.

Die Unterscheidung zwischen Gui Zhi (Zweig) und Rou Gui (Rinde) desselben Zimtbaums ist ein Musterbeispiel für die Raffinesse der Materia Medica der TCM. Der Zweig wirkt an der Oberfläche und in den Leitbahnen — er leitet, bewegt und wärmt die Peripherie. Die Rinde hingegen dringt tief ins Innere zum Mingmen–Feuer und stärkt das Nieren–Yang. Zwei Teile einer Pflanze, zwei völlig verschiedene Wirkrichtungen.

In der Jin–Yuan–Dynastie ergänzte Li Dongyuan die Anwendung um die Yang–stärkende und Wasser–transformierende Funktion. In der japanischen Kampo–Medizin ist diese Rezeptur bis heute eine der am häufigsten verschriebenen Formeln — besonders bei konstitutioneller Kälteempfindlichkeit und Oberflächenschwäche. Gui Zhi verbindet wie kaum ein anderes Kraut die älteste Tradition mit der modernen TCM–Praxis.

Kontraindikationen & Vorsicht

Nicht anwenden bei Yin–Mangel mit Leere–Hitze — Gui Zhi ist warm und kann Nachtschweiß und innere Hitze verschlimmern. Kontraindiziert bei Schwangerschaft mit Blut–Hitze. Nicht bei Wind–Hitze–Erkältungen oder Wen–Bing–Erkrankungen. Vorsicht bei Bluthochdruck und Blutungen durch Blut–Hitze. Bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulanzien ärztliche Rücksprache empfohlen.

Pflanzenfoto: Gui Zhi

Botanik

Cinnamomum cassia ist ein immergrüner Baum aus der Familie der Lorbeergewächse (Lauraceae), der Wuchshöhen von 10–15 Metern erreicht. Die Blätter sind ledrig, lanzettlich und zeigen die charakteristischen drei Längsnerven der Gattung. Die kleinen, gelblich–weißen Blüten stehen in Rispen und entwickeln sich zu dunklen, elliptischen Steinfrüchten.

Für Gui Zhi werden die jungen, dünnen Zweige von 30–75 cm Länge und 0,3–1 cm Durchmesser verwendet. Sie sind rotbraun bis dunkelbraun und verströmen einen intensiven, süßlich–scharfen Zimtduft. Qualitätsmerkmale sind gleichmäßig dünne Zweige mit intakter Rinde und kräftigem Aroma — dickere, ältere Zweige gelten als minderwertig.

Vorkommen

  • Südchina — Hauptanbaugebiete in Guangxi, Guangdong und Yunnan
  • Südostasien — Vietnam, Myanmar, Indonesien
  • Tropische und subtropische Wälder in Höhenlagen von 200–1000 m
  • Kultiviert in Plantagen mit 5–8 Jahren Umtriebszeit

Erntezeit

  • Ernte im Frühjahr und Herbst — junge, einjährige Zweige bevorzugt
  • Zweige werden geschnitten, wenn die Rinde noch dünn und aromatisch ist
  • Frühjahrsernte gilt als qualitativ hochwertiger wegen des höheren Ölgehalts

Verarbeitung

Die Verarbeitung von Gui Zhi ist vergleichsweise einfach — entscheidend ist die Trocknung bei schonender Temperatur, um die ätherischen Öle zu bewahren:

  • Rohe Zimtzweige (Sheng Gui Zhi):
    1. Junge Zweige ernten und von Blättern befreien
    2. In 3–5 cm lange Stücke schneiden
    3. Im Schatten oder bei niedriger Temperatur trocknen
  • Geröstete Zimtzweige (Chao Gui Zhi):
    1. Getrocknete Zweigstücke in der Pfanne ohne Öl leicht anrösten
    2. Bis leichte Bräunung und verstärkter Duft eintritt
    3. Abkühlen lassen — die Röstung mildert die oberflächenöffnende Wirkung

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