Zhi Gan Cao — Honig–Süßholzwurzel

Die honiggeröstete Süßholzwurzel — wärmt und stärkt die Mitte

Durch das Rösten mit Honig verwandelt sich die neutrale Süßholzwurzel in ein warmes, Qi–nährendes Tonikum — so wirkungsvoll, dass sie zur Basis einer klassischen Rezeptur gegen stockendes Herz–Qi wird. Es ist die einzige Zubereitung, die das Herz–Qi direkt stärkt.

Honig–Süßholzwurzel Glycyrrhizae Radix Praeparata 炙甘草 Zhi Gan Cao

Geschmack Süß
Temperatur Warm
Meridian Herz, Lunge, Milz, Magen
Pflanzenteil Wurzel
Klasse Obere Klasse
Wirkrichtung Qi tonisierend

Hilft bei Qi–Mangel

Zhi Gan Cao ist die mit Honig geröstete Form der Süßholzwurzel. Durch die Zubereitung verschiebt sich ihre Wirkung deutlich: Während rohe Süßholzwurzel eher kühlend und entgiftend wirkt, stärkt die honiggeröstete Form gezielt das Qi von Milz und Herz.

Sie ist ein Schlüsselkraut bei Herzklopfen aus Herz–Qi–Mangel und bei Qi–Mangel der Mitte.

Wirkung aus TCM–Sicht

Zhi Gan Cao tonisiert das Milz–Qi und nährt das Herz–Qi und –Blut (Bǔ Qì Fù Mài). In der berühmten klassischen Rezeptur, die nach ihm benannt ist, stellt es den regelmäßigen Herzrhythmus wieder her (Fù Mài — den Puls wiederherstellen). Die Honig–Röstung verstärkt die tonisierende und befeuchtende Wirkung und macht das Kraut wärmer als seine rohe Form.

  • Tonisiert das Milz–Qi und stärkt die Mitte (Bǔ Pí Qì)
  • Nährt das Herz–Qi und reguliert den Herzrhythmus (Fù Mài)
  • Befeuchtet die Lunge und senkt das rebellierende Lungen–Qi stärker als die rohe Form
  • Wärmt die Mitte und harmonisiert die Verdauung
  • Verstärkt die Qi–tonisierende Wirkung gegenüber rohem Gan Cao
  • Mildert die Schärfe und Toxizität anderer Kräuter in der Rezeptur
TCM–Anwendung: Zhi Gan Cao

Anwendung & Dosierung

Dekokt: 3–10 g (Standarddosis), in der klassischen Rezeptur, die Qi und Blut aufbaut und den Puls wiederherstellt, als Kaiserkraut bis 12 g. Stets die honig–geröstete Form verwenden, wenn Qi–Tonisierung gewünscht ist.

Granulat: 1–3 g pro Einnahme, 2–3× täglich. Tabletten/Kapseln: 500–1000 mg pro Einnahme. Pulver: 1–2 g pro Einnahme mit warmem Wasser.

Pillen (Wán): In zahlreichen klassischen Pillenrezepturen als Harmonisierer enthalten. Wichtig: Nicht mit rohem Gan Cao verwechseln — die Wirkrichtung unterscheidet sich deutlich.

Darreichungsformen

  • Dekokt
  • Granulat
  • Tabletten
  • Kapseln
  • Pulver
  • Pillen

Dosierung

  • 3–10 g (Dekokt)
  • 1–3 g (Granulat)
  • 1–2 g (Pulver)

Häufige Kombinationspartner

Zhi Gan Cao entfaltet seine volle Wirkung oft erst in Kombination mit anderen Kräutern

Geschichte & Tradition

Die Honig–Zubereitung der Süßholzwurzel wird erstmals in der Tang–Dynastie systematisch beschrieben. Sun Simiao (581–682) erkannte, dass die Zubereitung mit Honig die Wirkung grundlegend verändert: von kühlend–entgiftend zu warm–tonisierend.

Zhang Zhongjing (ca. 150–219) verwendete im Shāng Hán Lùn sowohl rohe als auch zubereitete Süßholzwurzel und unterschied ihre Wirkrichtungen sorgfältig. Eine seiner Rezepturen mit der gerösteten Süßholzwurzel ist bis heute eine der wichtigsten Formeln bei knotigem, aussetzendem Puls durch Herz–Qi– und Herz–Blut–Mangel.

Li Shizhen (1518–1593) beschrieb im Běn Cǎo Gāng Mù die Herstellung: Die getrockneten Wurzelstücke werden mit Honig überzogen, dann langsam geröstet, bis die Oberfläche goldbraun und leicht klebrig ist.

In der modernen TCM–Praxis wird Zhi Gan Cao bevorzugt in allen tonisierenden Rezepturen eingesetzt, während Sheng Gan Cao für Hitze–Klärung und Entgiftung reserviert bleibt.

Kontraindikationen & Vorsicht

  • Wassereinlagerungen: Nicht bei Feuchtigkeit mit Fülle oder Wassereinlagerungen — wie bei roher Süßholzwurzel fördert Zhi Gan Cao die Natriumretention.
  • Bluthochdruck: Vorsicht bei Bluthochdruck und Hypokaliämie — die Mineralocorticoid–Wirkung ist auch in der mit Honig gerösteten Form vorhanden.
  • Wechselwirkungen: Nicht mit Gan Sui, Da Ji oder Yuan Hua kombinieren — klassische Inkompatibilität, die für alle Gan–Cao–Formen gilt.
  • Diabetes: Bei Diabetes die zusätzliche Zuckerzufuhr durch die Honigröstung beachten.
  • Langzeitanwendung: Nicht langfristig in hohen Dosen ohne ärztliche Überwachung anwenden.
Pflanzenfoto: Zhi Gan Cao

Botanik

Zhi Gan Cao stammt von derselben Pflanze wie Gan Cao — Glycyrrhiza uralensis Fisch. (oder G. glabra, G. inflata) aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Der Unterschied liegt ausschließlich in der Verarbeitung.

Die getrockneten Wurzelstücke werden mit raffiniertem Honig (ca. 25 % des Wurzelgewichts) überzogen und bei niedriger Temperatur geröstet, bis sie goldbraun und leicht klebrig sind. Durch diesen Prozess verändern sich die Inhaltsstoffanteile: Der Gehalt an Liquiritin und Isoliquiritigenin steigt, während die Glycyrrhizinsäure leichter aufgenommen wird.

Die botanischen Merkmale und Anbaugebiete sind identisch mit denen von Gan Cao.

  • Nordwest–China (Gansu, Ningxia, Innere Mongolei)
  • Zentralasien (Kasachstan, Turkmenistan)
  • Steppen und Halbwüsten zwischen 500–2000 m Höhe
  • Verarbeitung hauptsächlich in den Anbauregionen

Erntezeit

Wie Gan Cao: September bis Oktober, 3.–4. Jahr

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