Su Zi — Perilla–Samen
Su Zi ist der Samen der Perilla–Pflanze (Perilla frutescens), deren Blätter (Su Ye) und Stängel (Su Geng) ebenfalls in der TCM verwendet werden. Der Samen wirkt eigenständig: Er senkt rebellisches Lungen–Qi ab, löst zähen Schleim und befeuchtet den Darm.
In der berühmten Rezeptur Su Zi Jiang Qi Tang ist er das Kaiser–Kraut gegen Asthma mit kaltem Schleim im oberen und Nieren–Yang–Mangel im unteren Erwärmer. Das kaltgepresste Perillaöl ist zugleich einer der reichsten pflanzlichen Omega-3–Lieferanten.
Efecto desde una perspectiva occidental
- Alpha–Linolensäure (ALA, ~60 % des Perillaöls): Einer der höchsten pflanzlichen Omega-3–Gehalte überhaupt. ALA wird zu EPA und DHA umgewandelt und zeigt in Studien entzündungshemmende Wirkung — relevant für Atemwegs– und Herzkreislaufgesundheit.
- Antiinflammatorisch: Rosmarinsäure und Luteolin hemmen proinflammatorische Zytokine (IL-4, IL-5, TNF-α) und verringern in Zellversuchen die Mastzellaktivierung.
- Allergie–modulierend (Th2–Reaktion): Rosmarinsäure hemmt die Histaminfreisetzung und dämpft die Th2–dominierte Immunantwort. Hinweise auf Linderung allergischer Rhinitis und Hautreaktionen aus kleineren klinischen Studien.
- Asthma & Atemwegsinflammation: Tiermodelle zeigen bronchodilatatorische und antiinflammatorische Effekte von Perillaöl und Rosmarinsäure in den Atemwegen. Klinische Evidenz beim Menschen ist noch begrenzt.
- Apigenin & Luteolin: Flavonoide mit antioxidativer Wirkung; Apigenin zeigt in Laborversuchen zusätzlich spasmolytische Effekte an der glatten Bronchialmuskulatur.
- Lipidprofil: Regelmäßige Einnahme von Perillaöl verbessert in Humanstudien das Verhältnis Omega-6 zu Omega-3 günstig und senkt Triglyzeride.
Efecto desde la perspectiva de la MTC
- Senkt rebellisches Lungen–Qi ab — bei Husten, Keuchatmung und Asthma mit reichlich weißem, zähem Schleim
- Transformiert und löst kalten Schleim im oberen Erwärmer
- Stillt Husten und lindert Dyspnoe, die sich im Liegen verschlimmert
- Befeuchtet den Darm und fördert den Stuhlgang bei Trockenheits–Obstipation
- Reguliert das Qi im mittleren Erwärmer bei Völlegefühl und Blähungen
Aplicación y dosis
Su Zi wird im Dekokt am häufigsten eingesetzt — die Samen sollten vor dem Kochen leicht zerstoßen werden, damit die ätherischen Öle und Fettsäuren besser in das Dekokt übergehen. Als Pulver oder in Pillenform ist die Dosis entsprechend niedriger.
Chao Su Zi (geröstet) wird bevorzugt eingesetzt, wenn eine stärkere absenkende Wirkung auf das Magen–Qi erwünscht ist — das Rösten verstärkt die Qi–absenkende Komponente und macht den Samen bekömmlicher bei Magen–Schwäche. Das kaltgepresste Perillaöl aus den Samen ist nicht als TCM–Dekokt vorgesehen, sondern als Nahrungsergänzung für seinen hohen Omega-3–Gehalt.
Formas de dosificación
- Dekokt (Sheng Su Zi, roh): Samen vor dem Kochen leicht zerstoßen — Standardanwendung in der klassischen TCM–Praxis
- Chao Su Zi (geröstet): In der Pfanne ohne Öl geröstet bis aromatisch — stärkt die Qi–absenkende Wirkung auf den Magen, besser verträglich bei Milz–Schwäche
- Granulat: Wasserextraktgranulat für bequeme Dosierung und schnelle Zubereitung — in der modernen TCM–Praxis weit verbreitet
- Pulver (Mo): Fein gemahlene Samen — klassische Darreichungsform, oft in Pillenrezepturen eingearbeitet
- Perilla–Öl (kaltgepresst): Aus den Samen kaltgepresstes Öl mit ~60 % Alpha–Linolensäure — primär als Nahrungsergänzung, nicht als TCM–Dekokt; in Japan als „Egoma–Öl" bekannt
Dosificación
- Dekokt: 3–10 g — Standardbereich; bei älteren Patienten oder Schwäche eher die untere Dosis wählen
- Granulat: 1–3 g pro Einnahme (entspricht ca. dem 3–fachen als Rohdrogen–Äquivalent)
- Pulver: 1–3 g pro Einnahme
- Perilla–Öl: 1–2 Teelöffel täglich als Nahrungsergänzung (keine TCM–Dosierung)
Kombinationen & Formeln
- Su Zi + Lai Fu Zi + Bai Jie Zi (San Zi Yang Qin Tang): Die klassische Drei–Samen–Rezeptur — Qi absenken, Schleim lösen, Verdauung regulieren. Eine elegante Alltagsformel besonders für ältere Patienten mit Husten, Schleim und Schwäche.
- Su Zi + Ban Xia + Hou Po (Su Zi Jiang Qi Tang): Das große Asthma–Mittel der chinesischen Medizin. Su Zi als Kaiser–Kraut bei Husten mit reichlich kaltem Schleim, Kurzatmigkeit und Nieren–Yang–Mangel im unteren Erwärmer.
- Su Zi + Xing Ren: Beide senken Lungen–Qi ab und befeuchten den Darm — synergetisch bei Husten mit Dyspnoe und gleichzeitiger Trockenheits–Obstipation.
- Su Zi + Jie Geng: Jie Geng öffnet die Lunge und hebt das Qi, Su Zi senkt es ab — eine klassische „Aufzug"–Kombination zur Regulierung des Lungen–Qi in beide Richtungen.
- Su Zi + Chen Pi: Chen Pi trocknet Feuchtigkeit und reguliert das Qi im mittleren Erwärmer, Su Zi senkt das Qi im oberen Erwärmer ab — gemeinsam bei Schleim mit Qi–Stagnation und Völlegefühl.
Geschichte & Tradition
Die Perilla–Pflanze — auf Chinesisch Zǐ Sū (紫蘇), die „purpurne Wohltat" — gehört zu den ältesten Kulturpflanzen Ostasiens. Ihre erste schriftliche Erwähnung als Heilmittel findet sich im Ming Yi Bie Lu (名醫別錄), dem „Ergänzungskatalog berühmter Ärzte" aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. Dort beschrieb der Arzt Tao Hongjing ihre wärmenden und Qi–bewegenden Eigenschaften. Doch schon lange vor dieser Aufzeichnung war die Perilla fester Bestandteil der chinesischen und japanischen Küche — die Samen wurden gepresst für das goldgelbe, leicht nussige Perillaöl, das bis heute in Japan unter dem Namen „Egoma–Öl" als besonderes Gesundheitsöl gilt.
Im klassischen Werk Bencao Gangmu (本草綱目) des Universalgelehrten Li Shizhen (1578 n. Chr.) erhielt Su Zi seinen festen Platz als eigenständiges Heilmittel — getrennt von den Blättern Su Ye und dem Stängel Su Geng. Li Shizhen beschrieb präzise seinen Weg über die Lunge, seine absenkende Wirkung auf das rebellische Qi und seine Fähigkeit, den Darm zu befeuchten. Diese Differenzierung der drei Pflanzenteile — jeder mit eigener therapeutischer Ausrichtung — ist ein Meisterstück der klassischen chinesischen Pharmakognosie und zeigt, wie genau die alten Ärzte die Natur beobachtet hatten.
Besondere Berühmtheit erlangte Su Zi als Kaiser–Kraut der Rezeptur Su Zi Jiang Qi Tang (蘇子降氣湯) — „Dekokt zum Absenken des Qi mit Perilla–Samen" — aus dem Tai Ping Hui Min He Ji Ju Fang (11. Jahrhundert). Diese Formel behandelt das komplexe Muster von Schleim im oberen Erwärmer und Nieren–Yang–Mangel im unteren Erwärmer und gilt bis heute als eine der elegantesten Rezepturen der klassischen Medizin. Ebenso bekannt ist Su Zi als ein Drittel der schlichten, aber wirkungsvollen San Zi Yang Qin Tang — der „Drei–Samen–Suppe zur Nährung der Eltern" — eine Formel aus dem 16. Jahrhundert, die liebevoll für geschwächte ältere Menschen entwickelt wurde.
In Japan ist die Perilla–Pflanze als Shiso tief in der Esskultur verwurzelt: Die gefiederten Blätter begleiten Sashimi, die Samen würzen Nudelgerichte, und das Öl wird als Gesundheitsöl geschätzt. Heute erlebt Su Zi auch im Westen eine Renaissance — als Gewürzpflanze in der Gourmetküche und als Lieferant von Alpha–Linolensäure, dem pflanzlichen Omega–3. Was die alten Meister der TCM intuitiv erkannten, bestätigt nun die moderne Forschung: Dieser kleine Samen enthält eine außerordentliche Wirkstoffdichte.
Kontraindikationen & Vorsicht
- Yin–Mangel mit trockenem Husten: Su Zi ist warm und absenkend — bei unproduktivem, trockenem Husten durch Lungen–Yin–Mangel oder Nieren–Yin–Mangel nicht geeignet, da er die Trockenheit verstärken kann.
- Lockerer Stuhl / Durchfallneigung: Su Zi befeuchtet den Darm und gleitet nach unten — bei Milz–Qi–Schwäche mit weichem Stuhl oder chronischer Diarrhö mit Vorsicht einsetzen oder meiden.
- Lungen–Hitze mit gelbem Schleim: Su Zi ist ein warmes Kraut und wirkt bei kaltem Schleim. Bei Hitze–Schleim (gelber, zäher Schleim, Fieber, Durstgefühl) sind kühlende Kräuter wie Zhe Bei Mu oder Huang Qin angezeigt.
- Allgemeine Schwäche ohne Schleim: Bei Qi–Mangel–Husten ohne Schleimbefund sollte Su Zi nicht alleine eingesetzt werden — seine absenkende Wirkung kann erschöpftes Qi weiter nach unten ziehen.
- Allergie gegen Lippenblütler (Lamiaceae): Perilla gehört zur Familie der Lippenblütler — Personen mit bekannter Kreuzallergie auf Basilikum, Minze, Oregano oder andere Lamiaceae sollten Su Zi meiden. Bitte bei Pflanzenallergien ärztlich abklären.
- Antikoagulanzien / Blutgerinnungshemmung: Der hohe Gehalt an Alpha–Linolensäure (~60 % im Perillaöl) kann die Thrombozytenaggregation hemmen. Bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulanzien (z. B. Marcumar, Apixaban) oder Thrombozytenaggregationshemmern (z. B. ASS) ärztliche Rücksprache empfohlen.
Botanik
Perilla frutescens ist eine einjährige Krautpflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und erreicht eine Wuchshöhe von 50–150 cm. Der Stängel ist charakteristisch vierkantig — ein Merkmal aller Lamiaceae — und weich behaart. Die gegenständig angeordneten Blätter sind breit eiförmig bis herzförmig, gesägt gerandet und stark aromatisch; je nach Varietät leuchtend grün oder tief purpurrot gefärbt. Beim Zerreiben verströmen sie einen unverwechselbar würzigen, leicht anisartigen Duft.
Die Blüten erscheinen in dichten, einseitswendigen Scheinähren und sind klein, weiß bis blasslila. Aus ihnen entwickeln sich die Früchte — vier kugelige, netzartig gemusterte Nüsschen (Klausen), die im Volksmund als „Samen" bezeichnet werden und das pharmazeutisch genutzte Pflanzenteil darstellen. Die Pflanze bevorzugt sonnige, feuchte Standorte mit nährstoffreichem Boden und verbreitet sich durch Selbstaussaat leicht.
Vorkommen
- Ursprung Ostasien: Heimisch in China, Japan und Korea; seit Jahrtausenden in der Region kultiviert und als Heil– und Gewürzpflanze genutzt.
- Hauptanbaugebiete China: Provinzen Jiangsu, Henan und Shandong sind die bedeutendsten Produktionsregionen für Su Zi als Heilmittel.
- Japan — „Shiso": In Japan unter dem Namen Shiso (紫蘇) tief in der Esskultur verwurzelt; Blätter, Samen und Öl (Egoma–Öl) werden gleichermaßen genutzt.
- Korea — „Kkaennip": In der koreanischen Küche als Ssam–Blatt und eingelegtes Gemüse (Kkaennip–Kimchi) beliebt.
- Weltweit kultiviert: Heute auch in Südostasien, Indien, den USA und Europa angebaut — sowohl als Gewürzpflanze als auch als Quelle für Perillaöl.
- Gartenpflanze: In gemäßigten Klimazonen problemlos als einjährige Sommerkultur zu ziehen; erhältlich in grün– und rotblättrigen Sorten.
Erntezeit
- Haupterntezeit: Herbst (September–Oktober) — wenn die Samen vollständig ausgereift und braun gefärbt sind, aber noch nicht aus den Fruchthüllen gefallen sind
- Erntereife erkennen: Die Scheinähren trocknen ab, die kleinen kugeligen Klausen verfärben sich von grün zu hellbraun bis dunkelbraun und sind fest
- Erntemethode: Ganzen Stängel mit reifen Fruchtständen abschneiden oder die Scheinähren einzeln abstreifen
- Trocknung: Ganze Pflanzenstängel gebündelt kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort trocknen lassen — die Samen fallen beim Trocknen aus den Hüllen und werden auf einem Tuch aufgefangen
- Wildvorkommen vs. Anbau: Im Anbau (vor allem in Jiangsu, Henan, Shandong) werden die Pflanzen einheitlicher und ertragreicher geerntet als aus Wildbeständen
Verarbeitung
Su Zi durchläuft nach der Ernte eine sorgfältige Aufbereitung, die je nach gewünschter Darreichungsform variiert. In der klassischen TCM werden zwei Verarbeitungsstufen unterschieden: Sheng Su Zi (roh, ungekocht) für die direkte Dekoktzubereitung und Chao Su Zi (geröstet) für eine verstärkte Qi–absenkende Wirkung auf den Magen.
- Sheng Su Zi (rohe Verarbeitung) — Grundverarbeitung:
- Geerntete Stängel mit Fruchtständen an der Luft vollständig trocknen
- Durch Dreschen (Schlagen oder Reiben) die Samen aus den Fruchthüllen lösen
- Sieben und Windsichten zur Trennung von Spelzen, Stängelresten und tauben Samen
- Nochmals an der Luft trocknen bis zur vollständigen Wasserfreiheit (Restfeuchte <8 %)
- In dicht schließenden Behältern kühl und dunkel lagern (das Öl in den Samen ranzt bei Wärme und Licht)
- Chao Su Zi (Röstverarbeitung) — für stärkere Magen–Qi–Absenkung:
- Gereinigte Sheng Su Zi–Samen in einem trockenen Wok bei mittlerer Hitze ohne Fett erhitzen
- Unter ständigem Rühren rösten, bis die Samen leicht aufplatzen und ein aromatisch–nussiger Duft aufsteigt
- Farbe der Samen wechselt von hellbraun zu mittelbraun — nie dunkelbraun rösten
- Sofort aus dem Wok nehmen und auf einer flachen Unterlage abkühlen lassen
- Nach dem Abkühlen in luftdichten Behältern lagern und zügig verbrauchen
- Perillaöl–Herstellung (kaltgepresst):
Für die Ölgewinnung werden die gereinigten, getrockneten Samen kaltgepresst (maximal 40 °C) — so bleiben die hitzeempfindlichen Omega-3–Fettsäuren und Polyphenole erhalten. Das rohe Öl wird anschließend filtriert und in dunklen Flaschen lichtgeschützt abgefüllt. In Japan (Egoma–Öl) und Korea ist diese Verarbeitungsform besonders etabliert.
Verwandte Kräuter
Kräuter mit ähnlicher Wirkung und verwandten Einsatzgebieten
Vergleichbare westliche Kräuter
- Leinsamen (Linum usitatissimum): Ebenfalls außergewöhnlich reich an Alpha–Linolensäure (ALA, 45–65 %) — der direkteste westliche Omega-3–Vergleich zu Su Zi. Beide befeuchten den Darm und lindern Obstipation; beide wirken entzündungsmodulierend über den Omega-3–Stoffwechsel. In der Naturheilkunde als „pflanzliches Fischöl" bekannt.
- Schwarzkümmel (Nigella sativa): Wie Su Zi antiinflammatorisch und allergie–modulierend. Thymochinon und Thymol aus Schwarzkümmel hemmen ähnlich wie Rosmarinsäure aus Perilla die Th2–dominierte Immunantwort und zeigen klinische Hinweise bei allergischem Asthma — eine bemerkenswerte Parallele zur TCM–Indikation.
- Anis (Pimpinella anisum): Traditionell bei Husten, Schleimlösung und krampfartigem Husten eingesetzt — funktionell vergleichbar mit Su Zi's schleimtransformierender und atemwegslösender Wirkung. Ätherische Öle (trans–Anethol) zeigen bronchosekretolytische Effekte.
- Fenchel (Foeniculum vulgare): Spasmolytisch und schleimstimulierend — klassisches europäisches Atemwegsmittel. Ähnelt Su Zi in seiner kombinierten Wirkung auf Atemwege und Verdauung (Blähungen, Völlegefühl). Beide enthalten Flavonoide (Apigenin) mit antispasmodischer Wirkung.








