Sang Bai Pi — Maulbeerwurzel–Rinde
Sang Bai Pi — die weiße Wurzelrinde des Maulbeerbaums (Morus alba) — ist ein klassisches Kraut zur Behandlung von Lungen–Hitze mit Husten und Atemnot. Mit seiner kalten, süßen Natur senkt es aufsteigendes Lungen–Qi ab und klärt Hitze aus der Lunge.
Zusätzlich fördert es die Harnausscheidung bei Ödemen und ist das Hauptkraut in der Rezeptur Xie Bai San — der Standardformel bei Lungen–Hitze mit Keuchen.
Efecto desde una perspectiva occidental
- Entzündungshemmung: Morusin und Kuwanon G — bioaktive Prenyl–Flavonoide aus der Rinde — hemmen in vitro NF–κB und proinflammatorische Zytokine (TNF–α, IL–6). Klinische Studien am Menschen stehen noch aus.
- Bronchodilatation: Tierexperimentelle Daten zeigen eine Relaxation der glatten Bronchialmuskulatur, vermutlich über Hemmung der Phosphodiesterase. Die Übertragbarkeit auf den Menschen ist nicht gesichert.
- Diuretische Wirkung: Im Tiermodell wurde eine moderate Steigerung der Harnausscheidung nachgewiesen, die die traditionelle Anwendung bei Ödemen pharmakologisch stützt (präklinische Evidenz).
- Blutdruck– und Blutzuckersenkung: Präklinische Studien belegen hypotensive und antihyperglykämische Effekte — möglicherweise durch Hemmung der Alpha–Glucosidase. Humanstudien fehlen bisher.
Efecto desde la perspectiva de la MTC
Sang Bai Pi ist ein kühlendes, absenkend wirkendes Kraut, das vor allem auf die Lunge zielt. Es klärt Hitze aus der Lunge und stellt die absenkende Funktion des Lungen–Qi wieder her.
- Klärt Lungen–Hitze: Beseitigt Hitze–Muster in der Lunge mit gelbem, zähem Schleim, Durst und Hitzegefühl in der Brust.
- Senkt Lungen–Qi ab: Behandelt aufsteigendes Qi mit Husten, Keuchen und Atemnot — besonders bei Hitze–bedingtem Asthma.
- Fördert die Harnausscheidung: Öffnet die Wasserwege über die Lunge und reduziert Ödeme — besonders Gesichts– und Lidödeme durch gestörte Lungen–Funktion.
- Reguliert den Wasserhaushalt: Unterstützt die Lunge in ihrer Funktion als „oberer Wasserregulator" und leitet überschüssige Flüssigkeit nach unten ab.
Aplicación y dosis
Die Standarddosis beträgt 6–12 g im Dekokt. Bei akuter Lungen–Hitze wird die rohe Form verwendet, bei chronischem Husten mit Trockenheit die honiggebratene Variante (Mì Zhì Sang Bai Pi), die milder und befeuchtender wirkt.
Als Pulver werden 2–3 g pro Einnahme empfohlen. Die Rinde sollte 20–30 Min. gekocht werden, um die Wirkstoffe vollständig zu lösen.
Formas de dosificación
- Dekokt: Die gebräuchlichste Form — 6–12 g der getrockneten Rinde in 500 ml Wasser 20–30 Min. kochen.
- Honiggebraten (Mì Zhì): Bevorzugt bei chronischem Husten mit Trockenheit — das Honig–Rösten mildert die kalte Natur und stärkt die befeuchtende Wirkung.
- Pulver: 2–3 g pro Einnahme, mit warmem Wasser eingenommen.
- Granulat: Konzentriertes Extrakt zur einfachen Dosierung in der modernen Praxis.
Dosificación
- Dekokt (roh): 6–12 g
- Dekokt (honiggebraten): 6–12 g
- Pulver: 2–3 g pro Einnahme
- Granulat: nach Herstellerangabe
Socios combinados frecuentes
Sang Bai Pi entfaltet seine volle Wirkung oft erst in Kombination mit anderen Kräutern
Kombinationen & Formeln
- Xie Bai San (mit Di Gu Pi und Geng Mi): Die Standardrezeptur bei Lungen–Hitze mit Husten und morgendlichem Keuchen. Di Gu Pi kühlt Leere–Hitze, Geng Mi schützt den Magen.
- Mit Huang Qin: Bei Lungen–Hitze mit reichlich gelbem Schleim und Atemnot. Huang Qin verstärkt die Hitze–klärende Wirkung in der Lunge.
- Mit Fu Ling und Da Fu Pi: Bei Ödemen durch gestörte Lungen–Funktion mit beeinträchtigter Wasserverteilung. Fu Ling stärkt die Milz und leitet Feuchtigkeit aus.
- Mit Xing Ren: Bei Husten mit Atemnot und zähem Schleim. Xing Ren senkt Lungen–Qi ab und befeuchtet den Darm.
Geschichte & Tradition
Sang Bai Pi wird bereits im Shén Nóng Běn Cǎo Jīng — dem ältesten chinesischen Arzneibuch — als Kraut der mittleren Klasse geführt. Diese Einstufung bedeutet, dass es sowohl therapeutisch wirksam als auch bei sachgemäßer Anwendung sicher ist. Der Maulbeerbaum — Sāng (桑) — hat in der chinesischen Kultur eine jahrtausendealte Bedeutung als Seidenraupen–Futterpflanze und Arzneilieferant.
Bemerkenswert ist, dass fast alle Teile des Maulbeerbaums medizinisch genutzt werden: die Wurzelrinde (Sang Bai Pi), die Blätter (Sang Ye), die Zweige (Sang Zhi), die Früchte (Sang Shen) und sogar der Parasit auf dem Baum (Sang Ji Sheng). Diese umfassende Nutzung ist in der chinesischen Materia Medica nahezu einzigartig und spiegelt die tiefe Verbindung zwischen Seidenkultur und Heilkunde wider.
Im Běn Cǎo Gāng Mù von Li Shizhen (1578) wird Sang Bai Pi ausführlich beschrieben. Li Shizhen betont die Wichtigkeit, nur die innere weiße Rinde zu verwenden und die äußere gelbliche Korkschicht sorgfältig zu entfernen — daher der Name Bái Pí (weiße Rinde). Er dokumentiert die Anwendung bei Husten, Keuchen, Ödemen und Fieber.
En honiggebratene Form (Mì Zhì Sang Bai Pi) entwickelte sich als eigenständige Zubereitungsmethode, um die stark kühlende Natur der rohen Rinde abzumildern. Bei chronischem Husten mit Yin–Mangel und Trockenheit wirkt die honiggebratene Variante befeuchtender und schonender für den Magen. Diese Unterscheidung zwischen roher und verarbeiteter Form zeigt die Differenziertheit der traditionellen chinesischen Pharmazie.
Kontraindikationen & Vorsicht
Nicht anwenden bei Husten durch Lungen–Kälte oder Wind–Kälte — die kalte Natur würde die Situation verschlimmern. Vorsicht bei Lungen–Qi–Mangel mit chronischem, kraftlosem Husten ohne Hitzezeichen. Bei ausgeprägter Milz–Schwäche mit Ödemen zunächst die Mitte stärken. Langfristige Anwendung hoher Dosen kann die Verdauung belasten.
Wechselwirkungen: Sang Bai Pi kann die Wirkung von Antihypertensiva und Diuretika verstärken — bei gleichzeitiger Einnahme engmaschig Blutdruck und Elektrolyte kontrollieren. Die antihyperglykämischen Eigenschaften erfordern bei Diabetikern unter Medikation eine Überwachung des Blutzuckerspiegels.
Botanik
Morus alba L. (Moraceae) ist ein sommergrüner Laubbaum, der Wuchshöhen von 10–15 m erreicht. Die wechselständigen Blätter sind breit–eiförmig, oft gelappt, mit gesägtem Rand. Die unscheinbaren Blüten erscheinen in hängenden Kätzchen, die Scheinfrüchte reifen im Frühsommer zu süßen, weißlich bis dunkelvioletten Maulbeeren heran.
Für die Arznei wird die Wurzelrinde im Spätherbst oder Winter ausgegraben, die äußere gelb–braune Korkschicht sorgfältig abgeschabt und die innere weiße Rinde getrocknet. Die Qualität gilt als gut, wenn die Rinde dick, weiß und faserig ist — daher der Name Bái Pí (weiße Rinde).
Vorkommen
- China: Seit Jahrtausenden in den Seidenanbaugebieten kultiviert — besonders in Zhejiang, Jiangsu, Sichuan und Anhui
- Zentralasien: Ursprüngliche Heimat der Art, verbreitet in Iran, Afghanistan und den zentralasiatischen Republiken
- Europa: Seit der Antike im Mittelmeerraum eingebürgert, in Mitteleuropa als Zierbaum und in Südeuropa zur Seidenraupenzucht gepflanzt
- Nordamerika: Als Zierbaum eingeführt, stellenweise verwildert
Erntezeit
- Spätherbst bis Winter: Die Wurzeln werden nach dem Laubfall ausgegraben, wenn die Säfte in die Wurzel zurückgezogen sind und der Wirkstoffgehalt am höchsten ist.
- Optimaler Zeitpunkt: November bis Februar — nach dem ersten Frost, wenn der Baum in der Ruhephase ist.
- Baumauswahl: Bevorzugt werden Bäume, die mindestens 3–5 Jahre alt sind, da jüngere Bäume dünnere Rinden mit geringerem Wirkstoffgehalt liefern.
Verarbeitung
Die Verarbeitung von Sang Bai Pi erfordert Sorgfalt, um die innere weiße Rinde von der äußeren Korkschicht zu trennen und die gewünschte Arzneimittelqualität zu erzielen.
- Rohe Verarbeitung (Shēng Sang Bai Pi):
- Die ausgegrabenen Wurzeln gründlich waschen und von Erde befreien.
- Die äußere gelb–braune Korkschicht mit einem Messer sorgfältig abschaben.
- Die verbleibende weiße innere Rinde in Streifen oder Stücke schneiden.
- An der Luft oder bei niedriger Temperatur trocknen, bis die Rinde spröde bricht.
- Honig–Röstung (Mì Zhì Sang Bai Pi):
- Die getrocknete Rinde mit verdünntem Honig (Honig–Wasser–Verhältnis ca. 1:3) gleichmäßig benetzen.
- Die benetzte Rinde ziehen lassen, bis der Honig eingezogen ist.
- In einem Wok bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren rösten, bis die Rinde goldgelb und nicht mehr klebrig ist.
- Abkühlen lassen und trocken lagern.
Verwandte Kräuter
Kräuter mit ähnlicher Wirkung und verwandten Einsatzgebieten
Vergleichbare westliche Kräuter
- Eibischwurzel (Althaea officinalis): Lindert ebenfalls Reizhusten und Atemwegsentzündungen durch Schleimstoffe — wirkt jedoch befeuchtend statt kühlend–absenkend
- Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra): Teilt die entzündungshemmende und hustenreizlindernde Wirkung auf die Atemwege, besitzt aber eine warme Natur und stärkt zusätzlich das Qi
- Brennnesselwurzel (Urtica dioica): Vergleichbar in der diuretischen Wirkung bei Ödemen, fehlt jedoch die spezifische Lungen–Affinität








