Chai Hu — Chinesisches Hasenohr

Harmonisiert Shao Yang und bewegt Leber–Qi

Chai Hu ist die Leitdroge einer klassischen Rezeptur, die seit 1.800 Jahren nahezu unverändert angewendet wird.

Chinese hare's ear Bupleuri radix 柴胡 Chai Hu

Flavor Spicy, Bitter
Temperature Cool
Meridian Liver, Gallbladder, Pericardium, Triple Burner
Plant part Root
Class Upper class
Direction of action Harmonisierend

Helps with Stagnation

Chai Hu — die Wurzel des Chinesischen Hasenohrs — ist eines der bedeutendsten Kräuter der TCM und die Schlüsseldroge zur Harmonisierung des Shao Yang. Seit dem Shén Nóng Běn Cǎo Jīng wird es als Mittel der oberen Klasse geführt.

Es befreit das Shao Yang bei halb äußerlichen, halb innerlichen Zuständen und bewegt zugleich gestautes Leber–Qi bei emotionaler Anspannung, Seufzen und Spannungsgefühl in den Flanken.

Effect from a TCM perspective

Chai Hu harmonisiert das Shao Yang, bewegt Leber–Qi und hebt das Yang–Qi an. Seine vielseitige Wirkung macht es zu einem der am häufigsten eingesetzten Kräuter der TCM.

  • Harmonisiert das Shao Yang bei Wechsel zwischen Kälte und Hitze, bitterem Mundgeschmack und Spannung in den Rippen
  • Bewegt gestautes Leber–Qi bei gestautem Gemüt, Seufzen und Fülle in der Brust
  • Hebt das Yang–Qi an bei Zhong Qi Xia Xian — wenn Milz–Qi absinkt, Organe nicht gehalten werden und der Stuhl ungefestigt bleibt
  • Regulates menstruation bei Qi–Stagnation mit Zyklusunregelmäßigkeiten
  • Befreit den Oberen Erwärmer bei aufsteigendem Leber–Yang im Kopf
TCM–Anwendung: Chai Hu

Application & dosage

Chai Hu wird je nach Ziel der Anwendung unterschiedlich dosiert. Zur Qi–Bewegung bei Leber–Qi–Stagnation genügen 3–6 g, zur Shao–Yang–Harmonisierung bei Wechsel von Kälte und Hitze werden 6–12 g eingesetzt, zum Yang–Anheben bei Organvorfall reichen bereits 3 g.

Die essigpräparierte Form (Cù Chái Hú) verstärkt die Wirkung auf die Leber und wird bevorzugt bei Leber–Qi–Stagnation eingesetzt. Die Abkochzeit beträgt 15–20 Min. im Dekokt.

Dosage forms

  • Dekokt — klassische Anwendung, 15–20 Min. Abkochzeit
  • Cù Chái Hú (essigpräpariert) — verstärkte Wirkung auf die Leber
  • Granulat — als Fertigpräparat aus klassischen Rezepturen, welche die Shaoyang–Ebene harmonisieren oder das Leber–Qi bewegen und die Milz stärken
  • Tabletten und Kapseln — standardisierter Extrakt
  • Tinktur (1:5) — alkoholischer Auszug

Dosage

  • Dekokt (roh): 3–12 g je nach Muster
  • Cù Chái Hú (essigpräpariert): 3–9 g
  • Granulat: 1–3 g
  • Tinktur (1:5): 2–4 ml, 2–3× täglich

Frequent combination partners

Chai Hu entfaltet seine volle Wirkung oft erst in Kombination mit anderen Kräutern

History & Tradition

Chai Hu wird im Shén Nóng Ben Cao Jing als Kraut der oberen Klasse geführt — ein Zeichen für seine gute Verträglichkeit bei Langzeitanwendung. Bereits in diesem frühesten Kräuterbuch wird seine Fähigkeit beschrieben, die Wechselhitze–Muster (Nüe) der Shao–Yang–Ebene zu lösen und den Geist zu beruhigen. Der Name „Chái Hú“ bedeutet wörtlich „Feuerholz vom Bergsee“ und verweist auf den Standort der Wildpflanze.

Der große Arzt Zhāng Zhòngjǐng machte Chai Hu im 2. Jahrhundert zur Leitdroge seiner berühmten Harmonisierungs–Rezeptur für die Shao–Yang–Ebene — einer Formel, die seit 1.800 Jahren nahezu unverändert angewendet wird und das Musterbeispiel für die Shao–Yang–Harmonisierung darstellt. Diese Formel ist bis heute eine der meistverwendeten Rezepturen in China, Japan und Korea.

Lǐ Dōngyuán weitete in der Jīn–Yuán–Dynastie die Anwendung von Chai Hu um die Yang–anhebende Funktion aus. In einer zweiten, ebenso berühmten Rezeptur nutzt er niedrig dosiertes Chai Hu, um das absinkende Milz–Qi anzuheben. In der modernen TCM–Forschung steht Chai Hu im Zentrum der Hepatologie — die leberschützende Wirkung seiner klassischen Shao–Yang–Rezeptur ist gut dokumentiert und hat das Interesse der westlichen Medizin geweckt.

Contraindications & caution

Nicht anwenden bei Leber–Yin–Mangel mit aufsteigendem Leber–Yang — Chai Hu ist aufsteigend und zerstreuend und kann Kopfschmerzen, Schwindel und Reizbarkeit verschlimmern. Vorsicht bei Yin–Mangel mit Leere–Hitze. Bei starkem Qi–Mangel ohne Stagnation nicht ohne tonisierende Kräuter verwenden. In Kombination mit Interferon–Gabe bei Hepatitis ist ärztliche Rücksprache erforderlich, da Wechselwirkungen beschrieben sind.

Pflanzenfoto: Chai Hu

Botany

Bupleurum chinense DC. ist eine ausdauernde Staude aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae), die 40–85 cm hoch wird. Die Pflanze bildet eine verholzende, oft verzweigte Pfahlwurzel mit hell– bis dunkelbrauner Rinde. Die wechselständigen Blätter sind lanzettlich bis linealisch.

Die gelben Blüten erscheinen von Juli bis September in zusammengesetzten Dolden. Die medizinisch genutzte Wurzel ist 6–15 cm lang und zylindrisch. Qualitätsmerkmale sind ein intensiver, leicht bitterer Geschmack und ein fester Wurzelkörper mit deutlichem Holzkern. Neben B. chinense wird auch B. scorzonerifolium (Nan Chai Hu) als Droge verwendet.

Occurrence

  • Nord– und Nordostchina (Hebei, Henan, Liaoning) — Hauptanbaugebiete für Bei Chai Hu
  • Zentralchina (Hubei, Sichuan) — Anbau von Nan Chai Hu
  • Trockene Hänge, Grasland und lichte Wälder in 200–2.000 m Höhe
  • Bevorzugt kalkhaltige, durchlässige Böden mit guter Drainage

Harvest time

  • Ernte im Frühjahr (März–April) oder Herbst (September–Oktober)
  • Herbsternte liefert höheren Saikosaponin–Gehalt und wird bevorzugt
  • Wurzeln nach 2–3 Jahren Wachstum ausgraben

Processing

Chai Hu wird in verschiedenen Formen verarbeitet, um die Wirkung gezielt auf bestimmte Organe und Muster auszurichten.

  • Shēng Chái Hú (rohes Hasenohr) — stärkste oberfläckenbefreiende Wirkung:
    1. Wurzeln waschen und von Erdresten befreien
    2. Cut into slices and air-dry
  • Cù Chái Hú (essigpräpariertes Hasenohr) — verstärkte Wirkung auf die Leber:
    1. Wurzelscheiben mit Reisessig besprühen (10–20 % des Gewichts)
    2. Ziehen lassen, bis der Essig aufgesogen ist
    3. Bei niedriger Hitze in der Pfanne rösten, bis die Oberfläche trocken ist
  • Biē Xuè Chái Hú (mit Schildkrötenblut präpariert) — spezielle Form bei Yin–Mangel:

    Seltene Zubereitungsform, bei der Chai Hu mit Schildkrötenblut befeuchtet und geröstet wird, um die zerstreuende Natur zu mildern.

Related herbs

Herbs with similar effects and related areas of application