Mai Dong — Schlangenbart–Wurzel
Mai Dong — die Wurzelknolle des Schlangenbartes — ist eines der wichtigsten Yin–nährenden Kräuter der TCM. Seit über 2000 Jahren wird es im Shén Nóng Běn Cǎo Jīng als Mittel der oberen Klasse geführt. Mai Dong befeuchtet die Lunge, nährt das Magen–Yin und beruhigt den Geist — besonders bei trockenem Husten, Durst und innerer Unruhe durch Yin–Mangel.
Wirkung aus westlicher Sicht
Steroidsaponine — insbesondere Ophiopogonin D — zeigen in Studien antientzündliche und kardioprotektive Wirkungen. Polysaccharide aus Mai Dong wirken immunmodulierend und haben in Tiermodellen eine blutzuckersenkende Wirkung gezeigt.
- Ophiopogonin D hemmt proinflammatorische Zytokine und schützt das Herzgewebe
- Polysaccharide aktivieren Makrophagen und modulieren die Immunantwort
- Blutzuckersenkende Wirkung durch verbesserte Insulinsensitivität in Tiermodellen
- Antioxidative Effekte durch Radikalfänger–Aktivität der Homoisoflavonoide
- Gastroprotektive Wirkung durch Stärkung der Magenschleimhaut–Barriere
- Antivirale Aktivität gegen Influenza–A in vitro nachgewiesen
Wirkung aus TCM–Sicht
Mai Dong nährt das Yin von Lunge, Magen und Herz. Es befeuchtet die Lunge und stillt trockenen Husten — besonders bei Yin–Mangel mit zähem, spärlichem Schleim. Im Magen erzeugt es Körperflüssigkeiten und lindert Durst sowie Mundtrockenheit. Über den Herz–Bezug beruhigt es den Shen — weshalb es bei Reizbarkeit, Schlafstörungen und Herzklopfen durch Yin–Mangel–Hitze eingesetzt wird.
- Nährt das Lungen–Yin und befeuchtet bei trockenem Husten mit zähem Schleim
- Erzeugt Körperflüssigkeiten und stillt Durst bei Magen–Yin–Mangel
- Beruhigt den Shen bei Schlafstörungen und Herzklopfen durch Leere–Hitze
- Klärt Herz–Feuer und lindert innere Unruhe und Reizbarkeit
- Befeuchtet den Darm bei Verstopfung durch Trockenheit und Yin–Mangel
Anwendung & Dosierung
6–12 g im Dekokt (Standarddosis) Bis 15 g bei starkem Yin–Mangel In Sheng Mai San: 9 g als Standarddosis Granulat: 2–4 g täglich, aufgelöst in warmem Wasser Tabletten/Kapseln: 1–2 g Extrakt täglich Pulver: 3–6 g täglich, eingerührt in warmes Wasser oder Congee Tinktur: 2–4 ml (1:5 Auszug), 2–3× täglich
Darreichungsformen
Dekokt (20–30 Min.), Granulat, Tabletten/Kapseln, Pulver, Congee (mit Reis als Brei), Tinktur (1:5 Auszug)
Dosierung
6–12 g (Dekokt)
Kombinationen & Formeln
Mit Sha Shen bildet Mai Dong ein klassisches Paar zur Befeuchtung der Lunge bei trockenem Husten und Heiserkeit — wie in Sha Shen Mai Dong Tang. Mit Sheng Di Huang wird es kombiniert, um Yin–Mangel–Hitze zu klären und Körperflüssigkeiten zu regenerieren. Mit Tian Men Dong verstärkt es die Lungen–Yin–nährende Wirkung bei schwerem Yin–Verlust. Mit Wu Wei Zi und Ren Shen bildet es Sheng Mai San — die Puls–erzeugende Rezeptur bei Qi– und Yin–Mangel des Herzens.
Geschichte & Tradition
Mai Dong wird erstmals im Shén Nóng Běn Cǎo Jīng als Arznei der oberen Klasse beschrieben — ein Mittel, das dauerhaft eingenommen werden kann, ohne Schaden zu verursachen. In der Han–Dynastie erkannte Zhang Zhongjing die besondere Bedeutung von Mai Dong für die Lunge und machte es zur Kaiserdroge in Mai Men Dong Tang — einer Rezeptur gegen Lungen–Yin–Mangel mit trockenem Husten und Atemnot. Während der Tang– und Song–Dynastie wurde Mai Dong zunehmend auch als Herz–Kraut geschätzt. Li Shizhen beschreibt im Běn Cǎo Gāng Mù seine Fähigkeit, das Herz–Yin zu nähren und den Geist zu beruhigen. In Japan wird es als Bakumondō bezeichnet und ist fester Bestandteil der Kampo–Medizin.
Kontraindikationen & Vorsicht
Nicht anwenden bei Milz–Yang–Mangel mit wässrigem Durchfall — Mai Dong kann durch seine befeuchtende Natur die Feuchtigkeit verschlimmern. Vorsicht bei Kälte–Schleim in der Lunge mit reichlich weißem, wässrigem Auswurf. Bei Wind–Kälte–Erkältungen im Anfangsstadium ist Mai Dong ungeeignet.
Botanik
Ophiopogon japonicus ist eine immergrüne, grasartige Staude aus der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Die Pflanze bildet dichte Büschel schmaler, dunkelgrüner Blätter, die 20–40 cm lang werden. Die medizinisch genutzten Wurzelknollen sind spindelförmig, 1–3 cm lang und von blassgelber Farbe.
- Südost–China (Zhejiang, Sichuan, Hubei)
- Japan und Korea
- Schattige Wälder in 200–1800 m Höhe
- Kultiviert in ganz Ostasien
Erntezeit
Ernte im Sommer nach 2–3 Jahren Kultivierung. Wurzelknollen ausgraben, waschen, sonnentrocknen.
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