Ji Xue Teng — Hühnerblutranke

Nourishes and revitalizes the blood at the same time

Schneidet man Ji Xue Teng an, tritt ein dunkelroter Saft aus, der an Blut erinnert — und genau das ist ihre Bestimmung in der TCM: Sie nährt das Blut, belebt die Zirkulation und öffnet die Leitbahnen wie kein anderes Kraut.

Chicken Blood Potion Spatholobi Caulis 鸡血藤 Ji Xue Teng

Flavor Sweet, Bitter
Temperature Warm
Meridian Liver, kidney
Plant part Bark
Class Middle class
Direction of action Blood-activating

Helps with Anemia

Ji Xue Teng — die Hühnerblutranke — ist ein außergewöhnliches TCM–Kraut mit einer seltenen Doppelnatur: Es nährt das Blut und setzt es zugleich in Bewegung. Seinen Namen verdankt es dem dunkelroten Harzsaft, der beim Anschneiden der Liane austritt und frappierend an Blut erinnert.

Mit warm–bittersüßer Natur wirkt Ji Xue Teng auf Leber und Niere. Es ist das Mittel der Wahl, wenn Blut–Mangel und Blut–Stase gemeinsam auftreten — ein in der TCM besonders häufiges und komplexes Muster.

Effect from a TCM perspective

  • Tonisiert und nährt das Blut — bei Blut–Mangel mit Blässe, Erschöpfung und trockenem Teint
  • Belebt und bewegt das Blut — löst Blut–Stase bei unregelmäßigem Zyklus durch Blut–Stase im Unteren Erwärmer
  • Regulates menstruation — doppelwirkend bei Blut–Mangel und gleichzeitiger Stase
  • Opens the meridians und entspannt die Sehnen — bei Taubheitsgefühl, Kribbeln und Steifheit der Extremitäten durch Blut–Mangel
  • Löst Bi–Syndrome mit Blut–Mangel — bei Wind–Feuchtigkeit in Gelenken und Muskeln
TCM–Anwendung: Ji Xue Teng

Application & dosage

Ji Xue Teng wird in der TCM–Praxis am häufigsten als Dekokt eingesetzt, da die holzige Lianenwurzel durch längeres Kochen ihre Inhaltsstoffe besonders gut abgibt. Die Standarddosis liegt zwischen 10 und 15 g; bei ausgeprägtem Blut–Mangel oder lang anhaltenden Leere–Mustern kann die Dosis auf bis zu 30 g erhöht werden — stets unter fachkundiger TCM–Aufsicht.

Traditionell wird Ji Xue Teng auch in Reiswein eingelegt (Jiu Zhi), was die blutbelebende Wirkung verstärkt. Als Granulat oder Pulver eignet es sich für die tägliche Einnahme ohne Kochaufwand. Äußerlich — als Bad oder Waschung — kommt es bei Taubheitsgefühlen und Bi–Syndrom der Gelenke an den Extremitäten zum Einsatz.

Dosage forms

  • Dekokt (水煎): Klassische Zubereitung — Stängelscheiben 30–45 Min. kochen; Standardform in TCM–Praxis und Rezepturen
  • Granulat (颗粒): Wässriger Kaltextrakt, gefriergetrocknet — praktisch für die tägliche Einnahme, gut dosierbar
  • Pulver (粉末): Gemahlene Stängelscheiben — als Streupulver oder in Kapseln; etwas schwächer wirkend als das Dekokt
  • Tinktur: Alkoholischer Auszug — stärker konzentriert, für tropfenweise Dosierung
  • Liqueur / Weinauszug (药酒 Yào Jiǔ): Einlegen in Reiswein für mehrere Wochen; verstärkt die blutwärmende und leitbahnenöffnende Wirkung — traditionelle Hausrezeptur aus Südchina
  • Äußerlich als Bad: Starkes Dekokt (30–50 g) als Fußbad oder Teilbad bei Taubheitsgefühlen, Kribbeln und Gelenksteifheit der Extremitäten

Dosage

  • Decoct: 10–30 g (Standard 10–15 g; bis 30 g bei schwerem Blut–Mangel)
  • Granules: 2–5 g (täglich, aufgelöst in warmem Wasser)
  • Powder: 3–9 g (täglich, in Kapseln oder mit warmem Wasser)
  • Weinauszug: 10–20 ml täglich (je nach Alkoholgehalt und Auszugsdauer)

Frequent combination partners

Ji Xue Teng entfaltet seine volle Wirkung oft erst in Kombination mit anderen Kräutern

History & Tradition

Der Name Ji Xue Teng (鸡血藤) — wörtlich „Hühnerblutranke“ — ist kein Zufall: Wenn man einen Querschnitt durch den kräftigen Holzstamm macht, tritt ein leuchtend dunkelroter Saft hervor, der frappierend an frisches Hühnerblut erinnert. In der Volksmedizin Südchinas galt dieser Anblick als unmittelbares Zeichen der Himmelssignatur — ein Kraut, das das Blut nährt, musste auch wie Blut aussehen. Diese Lehre der Signaturen zieht sich durch die Geschichte der TCM wie ein roter Faden.

Die Heimat von Ji Xue Teng liegt im Minnan–Gebiet — den subtropischen Wäldern der Provinzen Guangdong, Guangxi und Yunnan im Süden Chinas. Dort windet sich die Spatholobus–Liane jahrzehntelang an alten Bäumen empor und bildet armdicke, holzige Stämme. Die einheimische Bevölkerung kannte die Pflanze seit Generationen unter dem Namen „Milchkaffeepflanze“ — der querschnittlich sichtbare rote Harzfluss hatte mythische Qualität. Schon früh lernten die Heilerinnen der Region: Dieser Saft stärkt das Blut der Frauen.

In der klassischen Literatur taucht Ji Xue Teng erstmals im Bencao Gangmu Shiyi (本草纲目拾遗) aus dem 18. Jahrhundert auf — der wichtigen Ergänzung zu Li Shizhens großem Kräuterkanon. Dort wird das Kraut als ausgezeichnetes Mittel bei Blut–Mangel, unregelmäßigem Zyklus und Erschöpfung nach der Geburt beschrieben. Besonders die Frauenmedizin hat Ji Xue Teng stets einen Ehrenplatz eingeräumt: Es nährt das erschöpfte Blut, setzt stagnierende Stase in Bewegung und reguliert den Zyklus — alles zugleich, ohne das Blut zu belasten.

Diese Eigenschaft — gleichzeitig zu nähren und zu bewegen — ist in der TCM–Materia Medica außergewöhnlich. Die meisten Kräuter tun das eine oder das andere. Ji Xue Teng tut beides. So wurde es zum unverzichtbaren Bestandteil in Formeln für Frauen: bei unregelmäßigem Zyklus, bei ausbleibendem Monatsfluss nach langer Schwäche, bei Ziehen im Unterleib durch gemischte Blut–Mangel–Stase–Muster. Auch bei Männern und älteren Menschen mit Taubheitsgefühlen in Armen und Beinen — oft Ausdruck eines Leber–Blut–Mangels, der die Sehnen nicht mehr nährt — hat Ji Xue Teng seinen festen Platz in der Praxis behalten.

Contraindications & caution

  • Pregnancy: Nicht anwenden — die blutbewegende Wirkung von Ji Xue Teng kann Wehen auslösen und birgt Fehlgeburtsrisiko.
  • Starke Menstruationsblutungen: Kontraindiziert bei Hypermenorrhoe und Metrorrhagie — das Kraut belebt das Blut und kann Blutungen verstärken.
  • Tendency to bleed: Nicht einsetzen bei bestehenden Gerinnungsstörungen oder frischen Verletzungen mit Blutung.
  • Blutverdünner: Bei Einnahme von Antikoagulanzien (z. B. Marcumar, ASS, Heparin) ärztliche Rücksprache erforderlich — additive Wirkung möglich.
  • Reine Blut–Hitze ohne Stase: Nicht geeignet, da die warme Natur des Krauts Hitze–Muster verstärken kann.
Pflanzenfoto: Ji Xue Teng

Botany

Spatholobus suberectus Dunn gehört zur Familie der Fabaceae (Hülsenfrüchtler) und ist eine kräftige, holzige Kletterliane, die Baumkronen bis in 10 Meter Höhe erklimmen kann. Die Stämme werden mit zunehmendem Alter markant korkig–suberinisiert (daher der Artname „suberectus“), entwickeln eine rissige braune Borke und können armdicke Ausmaße erreichen. Im Querschnitt zeigt sich das namensgebende Merkmal: konzentrische rötlichbraune Harzsaftschichten im Holzkörper, die durch ihren Eisengehalt und spezifische Gerbstoffe die charakteristische Blutrot–Färbung erzeugen.

Die Blätter sind dreizählig gefiedert mit eiförmigen bis elliptischen Einzelblättchen. Die schmetterlingsförmigen Blüten — typisch für Fabaceae — erscheinen in langen hängenden Rispen in hellrosa bis weißlichen Farbtönen. Genutzt wird ausschließlich der getrocknete Stängel (Caulis), der nach der Ernte in Scheiben geschnitten und das charakteristische Marmormuster aus rotem Harz und hellem Holzgewebe freilegt.

Occurrence

  • Südchina: Hauptvorkommen in den Provinzen Guangxi, Yunnan, Guangdong und Fujian
  • Indochina: Vietnam, Laos, Myanmar — subtropische und tropische Regionen
  • Immergrüne Hügelwälder und Bergwälder in 200–1.500 m Höhe
  • Bevorzugt feuchte, humusreiche Böden an Waldrändern und Flussufern
  • Anbau in kontrollierten Plantagen in Guangxi (wichtigstes Anbaugebiet)

Harvest time

  • Main harvest time: Herbst und Winter (September bis Februar) — zu dieser Zeit ist der Gehalt an Gerbstoffen, Isoflavonoiden und roten Harzsäften am höchsten
  • Plant age: Erst ab dem 5.–7. Lebensjahr geerntet — jüngere Stämme haben zu wenig ausgeprägtes Harzgewebe und zeigen kaum die charakteristischen roten „Speichen“ im Querschnitt
  • Erkennungsmerkmal bei der Ernte: Der frische Schnittquerschnitt zeigt radiale rötlichbraune Harzbänder, die wie Speichen eines Rades von der Mitte nach außen strahlen — ein sicheres Qualitätsmerkmal
  • Method: Die holzigen Lianen werden bodennah abgeschnitten oder gezielt Seitenstämme entnommen; eine vollständige Rodung ist für nachhaltige Ernte zu vermeiden

Processing

Die Verarbeitung von Ji Xue Teng beginnt unmittelbar nach der Ernte — das frische Holz lässt sich noch gut schneiden, bevor es vollständig aushärtet. Ziel ist es, die charakteristischen roten Harzschichten im Stängelquerschnitt zu erhalten und den Inhaltsstoffgehalt durch schonende Trocknung zu sichern.

  • Frischverarbeitung (Sheng Ji Xue Teng):
    1. Frisch geerntete Stämme sofort von Rindenresten und Schmutz befreien
    2. In gleichmäßige Scheiben von 3–5 mm Dicke schneiden — dünner Schnitt legt das rote Marmormuster frei
    3. Scheiben einlagig auf Trockengestellen ausbreiten
    4. Im Schatten bei guter Luftzirkulation trocknen (ca. 2–4 Wochen) — keine direkte Sonneneinstrahlung, um Harzsäfte zu schonen
    5. Fertig, wenn die Scheiben vollständig durchgetrocknet und leicht sind; das rote Muster bleibt gut sichtbar
  • Weinverarbeitung / Jiu Zhi (酒制):
    1. Getrocknete Stängelscheiben in Reiswein (Huang Jiu oder Bai Jiu) einlegen — Verhältnis ca. 1:5 (Droge:Wein)
    2. Mindestens 30 Tage ziehen lassen, besser 60–90 Tage
    3. Alternativ: Scheiben mit Reiswein anfeuchten, kurz dämpfen und erneut trocknen
    4. Der Weinauszug verstärkt die blutwärmende und leitbahnenöffnende Wirkung — klassische Methode zur Potenzierung bei Bi–Syndromen

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