Cang Er Zi — Spitzkletten–Frucht

Öffnet die Nase und vertreibt Wind–Feuchtigkeit

Die Spitzklette heftet sich mit ihren winzigen Haken an alles, was vorbeikommt — in der TCM nutzt man genau diese durchdringende Kraft, um verstopfte Nasennebenhöhlen zu öffnen. Seit der Song–Dynastie ist sie das Mittel der Wahl bei chronischer Sinusitis.

Spiny burdock fruit Xanthii Fructus è‹è€łć­ Cang He Zi

Flavor ⓘ Spicy, Bitter
Temperature ⓘ Warm
Meridian ⓘ Lung
Plant part ⓘ Fruit
Class ⓘ Lower class
Direction of action ⓘ Wind vertreibend

Helps with ⓘ Cold

Cang Er Zi — die Spitzkletten–Frucht — ist ein warmes, öffnendes Kraut, das Wind–Feuchtigkeit vertreibt und die Nasenpassage befreit. In der TCM gilt es als Hauptkraut bei chronischer Sinusitis, allergischer Rhinitis und verstopfter Nase.

DarĂŒber hinaus lindert es Wind–Feuchtigkeit–Bi–Syndrom mit Gelenkschmerzen und Hautjucken. Es gehört zur unteren Klasse und wird aufgrund seiner milden ToxizitĂ€t stets geröstet und sorgfĂ€ltig dosiert.

Effect from a Western perspective

Cang Er Zi enthÀlt bioaktive Sesquiterpenlactone wie Xanthatin und Xanthostrumarin sowie das toxische Carboxyatractylosid.

  • Xanthatin zeigt in Studien antiinflammatorische und analgetische Wirkungen auf die Nasenschleimhaut
  • Hinweise auf antiallergische Wirkung durch Hemmung der Histaminfreisetzung aus Mastzellen
  • Carboxyatractylosid ist hepatotoxisch — korrekte Verarbeitung (Rösten) reduziert den Gehalt deutlich
  • Antimikrobielle AktivitĂ€t gegen verschiedene pathogene Bakterien nachgewiesen

Effect from a TCM perspective

Cang Er Zi vertreibt Wind, öffnet die Nasenpassage und lindert Schmerzen. Es trocknet Feuchtigkeit und zerstreut Wind–Feuchtigkeit in Gelenken und Haut.

  • Vertreibt Wind und öffnet die Nasenpassage — Hauptkraut bei Sinusitis und Rhinitis
  • Trocknet Feuchtigkeit und lindert Bi–Schmerzen in Gelenken und Muskeln
  • Zerstreut Wind–Feuchtigkeit bei Hautjucken und Ekzemen
  • Lindert Stirnkopfschmerz bei verstopfter Nase mit eitrigem Sekret
  • Stellt den Geruchssinn wieder her
TCM–Anwendung: Cang Er Zi

Application & dosage

Cang Er Zi wird ausschließlich in gerösteter Form verwendet, da die rohen FrĂŒchte und Keimlinge toxisches Carboxyatractylosid enthalten. Vor dem Rösten mĂŒssen die hakenförmigen Stacheln sorgfĂ€ltig entfernt werden.

Die Standarddosis liegt bei 3–10 g im Dekokt. Eine Überdosierung ist unbedingt zu vermeiden — die Tageshöchstdosis von 10 g sollte nicht ĂŒberschritten werden.

Dosage forms

  • Dekokt (geröstet) — klassische Anwendung im KrĂ€uterrezept
  • Granulat — als konzentriertes Extrakt
  • Pulver — zum Einnehmen oder fĂŒr Ă€ußerliche Anwendung
  • Nasenöl — Ă€ußerlich bei verstopfter Nase

Dosage

  • Dekokt (geröstet): 3–10 g
  • Granulat: 1–3 g
  • Pulver: 1–3 g

Frequent combination partners

Cang Er Zi entfaltet seine volle Wirkung oft erst in Kombination mit anderen KrÀutern

Combinations & formulas

  • Bai Zhi (Engelwurz), Xin Yi Hua (MagnolienblĂŒte) und Bo He (Pfefferminze) in Cang Er Zi San — die klassische Hauptformel bei Sinusitis und allergischer Rhinitis mit verstopfter Nase und Stirnkopfschmerz
  • Fang Feng (Windschutzwurzel) und Qiang Huo (Notopterygium–Wurzel) bei Wind–Feuchtigkeit–Bi mit wandernden Gelenkschmerzen und TaubheitsgefĂŒhl
  • Xi Xin (Haselwurz) bei starker KĂ€lte–Blockade der Nase mit wĂ€ssrigem Sekret — verstĂ€rkt die wĂ€rmende, öffnende Wirkung

History & Tradition

Cang He Zi erscheint bereits im ShĂ©n NĂłng Běn Cǎo JÄ«ng — dem Ă€ltesten chinesischen Arzneibuch — als Mittel der unteren Klasse. Diese Einstufung weist auf seine starke Wirkung und potenzielle ToxizitĂ€t hin, die einen besonders achtsamen Umgang erfordert. In der klassischen Literatur wird es als das Kraut beschrieben, das „Wind aus der Nase treibt und den Geruchssinn wiederherstellt“.

The Famous Recipe Cang Er Zi San stammt aus dem JĂŹ Shēng Fāng von Yan Yonghe aus dem 13. Jahrhundert und ist bis heute die Standardformel bei Sinusitis in der klinischen TCM–Praxis. Diese einfache, aber hochwirksame Formel kombiniert Cang Er Zi mit Bai Zhi, Xin Yi Hua und Bo He — vier KrĂ€uter, die gemeinsam die Nase öffnen und Wind–KĂ€lte vertreiben.

Der große Pharmakologe Li Shizhen widmete Cang Er Zi im Běn Cǎo Gāng MĂč besondere Aufmerksamkeit. Er warnte eindringlich vor Überdosierung und beschrieb detailliert die Notwendigkeit, die Stacheln vor der Anwendung zu entfernen und die FrĂŒchte zu rösten. Seine Beobachtungen zur HepatotoxizitĂ€t der rohen Pflanze wurden erst Jahrhunderte spĂ€ter durch die moderne Pharmakologie bestĂ€tigt.

Contraindications & caution

Cang Er Zi besitzt eine milde ToxizitĂ€t und erfordert sorgfĂ€ltigen Umgang. Rohe FrĂŒchte und Keimlinge sind giftig (Carboxyatractylosid) — daher ausschließlich geröstet verwenden. Kontraindiziert bei Qi– und Blut–Mangel sowie bei Blut–Mangel–Kopfschmerz ohne Wind–Beteiligung. Patienten mit Lebererkrankungen sollten Cang Er Zi meiden. In der Schwangerschaft kontraindiziert. Bei gleichzeitiger Einnahme leberschĂ€digender Medikamente ist Ă€rztliche RĂŒcksprache erforderlich.

Pflanzenfoto: Cang Er Zi

Botany

Xanthium strumarium (syn. X. sibiricum) ist eine einjĂ€hrige Pflanze aus der Familie der KorbblĂŒtler (Asteraceae). Die krautige Pflanze wird 30–100 cm hoch und besitzt einen aufrechten, rauen StĂ€ngel mit wechselstĂ€ndig angeordneten, herzförmigen und grob gezĂ€hnten BlĂ€ttern.

Die unscheinbaren BlĂŒten sind eingeschlechtig und stehen in getrennten BlĂŒtenköpfchen. Die charakteristische Frucht ist oval, 1–1,5 cm lang und dicht mit hakenförmigen Stacheln besetzt, die der Verbreitung durch Tiere dienen. Die medizinisch verwendeten FrĂŒchte werden im Herbst nach vollstĂ€ndiger Reife geerntet.

Occurrence

  • Kosmopolitisch verbreitet — auf allen Kontinenten außer der Antarktis heimisch
  • In ganz China hĂ€ufig an WegrĂ€ndern, BrachflĂ€chen und Flussufern
  • Hauptanbaugebiete in den Provinzen Shandong, Jiangxi und Hubei
  • Bevorzugt gestörte Standorte, RuderalflĂ€chen und nĂ€hrstoffreiche Böden

Harvest time

  • Ernte im Herbst (September–Oktober) nach vollstĂ€ndiger Fruchtreife
  • Die FrĂŒchte werden gesammelt, wenn sie braun und hart geworden sind
  • Stacheln vor der weiteren Verarbeitung entfernen

Processing

Die Verarbeitung von Cang Er Zi ist entscheidend fĂŒr die sichere Anwendung, da die rohen FrĂŒchte toxisches Carboxyatractylosid enthalten.

  • Chao Cang Er Zi (geröstete Spitzkletten–Frucht) — Standardverarbeitung:
    1. Stacheln sorgfÀltig entfernen (durch Reiben oder Sieben)
    2. In einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze rösten
    3. Rösten bis die OberflĂ€che gleichmĂ€ĂŸig gebrĂ€unt ist und ein nussiger Duft aufsteigt
    4. Let cool and store in a dry place
  • Nasenöl — Ă€ußerliche Anwendung:

    Die gerösteten FrĂŒchte werden in Sesamöl ausgezogen und das gefilterte Öl in die Nase getrĂ€ufelt.

Related herbs

Herbs with similar effects and related areas of application

Comparable western herbs

  • Eukalyptus (Eucalyptus globulus) — ebenfalls ein klassisches Mittel bei verstopfter Nase und Sinusitis. Die Ă€therischen Öle wirken schleimlösend und abschwellend auf die Nasenschleimhaut. In der westlichen Phytotherapie als Inhalation oder in Nasensprays weit verbreitet.
  • Meerrettich (Armoracia rusticana) — öffnet die Nasenwege durch seine scharfen Senföle. Traditionell in der europĂ€ischen Volksmedizin bei ErkĂ€ltung und NebenhöhlenentzĂŒndung eingesetzt. Ähnlich wie Cang Er Zi warm und scharf in der Wirkung.
  • Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) — enthĂ€lt Senfölglykoside mit antimikrobieller und schleimlösender Wirkung. In der westlichen Naturheilkunde bei Infekten der Atemwege und Nebenhöhlen geschĂ€tzt.