Dan Shen — Rotwurzel–Salbei

Das Blut–belebende Herzenkraut der TCM

Ein Dan Shen wirkt wie eine Blut–Rezeptur — so lautet das berühmteste Sprichwort der Kräutermedizin über diese Wurzel.

Rotwurzel–Salbei Salviae Miltiorrhizae Radix 丹参 Dan Shen

Geschmack Bitter
Temperatur Leicht kühl
Meridian Herz, Perikard, Leber
Pflanzenteil Wurzel
Klasse Obere Klasse
Wirkrichtung Blut aktivierend

Hilft bei Blut–Mangel

Dan Shen — die rote Salbeiwurzel — ist eines der bedeutendsten Blut–belebenden Kräuter der TCM. Ein klassisches Sprichwort besagt: „Ein Dan Shen wirkt wie die klassische Vier–Kräuter–Rezeptur, die das Blut nährt“ — so vielseitig ist seine Wirkung auf das Blut.

Die tiefrote Farbe der Wurzel deutet auf ihren Bezug zum Herzen hin. Dan Shen belebt das Blut, löst Stase, kühlt Hitze und beruhigt den Geist — eine seltene Kombination, die es bei Blut–Stase im Bereich von Herz und Gefäßen unverzichtbar macht.

Wirkung aus TCM–Sicht

Dan Shen belebt das Blut und löst Stase — besonders bei Blut–Stase im Brustbereich und im Unterleib. Es kühlt Blut–Hitze, beruhigt den Shen und nährt das Blut, ohne dabei zu stauen.

  • Belebt das Blut und löst Stase im Brustbereich bei Blut–Stase des Herzens
  • Kühlt Blut–Hitze und löst Schwellungen bei Hitze–Toxin–Ansammlungen (Rè Dú) in Haut und Fleisch
  • Beruhigt den Shen bei Unruhe des Shen und Herzklopfen durch Herz–Blut–Stase
  • Nährt das Blut, ohne zu stauen — daher auch bei Blut–Mangel–Mustern einsetzbar
  • Löst Blut–Stase im Unterleib bei ausbleibender Menstruation und im Wochenbett
TCM–Anwendung: Dan Shen

Anwendung & Dosierung

Dan Shen wird standardmäßig in einer Dosis von 6–15 g im Dekokt verwendet. Bei schwerer Blut–Stase kann die Dosis auf bis zu 30 g gesteigert werden. Die Wurzel wird in der Regel 20–30 Min. mitgekocht.

Als Fertigpräparat sind Danshen–Tropfpillen weit verbreitet — die übliche Dosis beträgt 10 Pillen dreimal täglich. In Kliniken wird Dan Shen auch als Injektion verabreicht.

Darreichungsformen

  • Dekokt — Standardanwendung, 20–30 Min. mitkochen
  • Tropfpillen — gängiges Fertigpräparat bei Blut–Stase im Herzen
  • Granulat — als Einzelkraut oder in Fertigrezepturen
  • Tabletten — in standardisierten Extrakten
  • Injektion — in der Klinik unter fachärztlicher Aufsicht bei akuter Blut–Stase im Herz–Gefäß–Bereich

Dosierung

  • Dekokt: 6–15 g (Standarddosis)
  • Bei schwerer Blut–Stase: bis 30 g
  • Tropfpillen: 10 Pillen, 3× täglich
  • Granulat: 2–4 g täglich

Häufige Kombinationspartner

Dan Shen entfaltet seine volle Wirkung oft erst in Kombination mit anderen Kräutern

Geschichte & Tradition

Dan Shen wird im Shén Nóng Běn Cǎo Jīng als Kraut der oberen Klasse geführt — ein Rang, der Kräutern vorbehalten ist, die langfristig eingenommen werden können und das Leben verlängern. Schon in diesem frühesten Kräuterbuch wird die Wirkung auf das Herz und das Blut hervorgehoben: Dan Shen „belebt das Blut, beseitigt Stagnation und beruhigt den Geist“.

Das berühmte Sprichwort „Yī wèi Dān Shēn, gōng tóng Sì Wù“ — sinngemäß „Ein einziges Dan Shen wirkt wie eine ganze klassische, Blut–nährende Vier–Kräuter–Rezeptur“ — stammt aus der Ming–Dynastie und unterstreicht die außergewöhnliche Vielseitigkeit dieses Krauts. Diese klassische Rezeptur besteht aus vier Kräutern, die gemeinsam das Blut nähren — dass ein einzelnes Kraut vergleichbare Wirkung entfalten soll, ist ein seltenes Lob in der TCM–Literatur.

In der modernen chinesischen Medizin erlebte Dan Shen eine Renaissance durch die Entwicklung der Danshen–Tropfpillen in den 1990er Jahren. Dieses Fertigpräparat wurde zum meistverkauften pflanzlichen Herzmittel Chinas und durchlief sogar ein Phase–III–Prüfverfahren der amerikanischen FDA — ein Meilenstein für die Integration von TCM in die westliche Medizin.

Der Name „Dan“ (丹) bedeutet „Zinnoberrot“ und verweist auf die auffällige rote Farbe der Wurzel. In der chinesischen Farbsymbolik steht Rot für das Herz und das Feuer–Element — die Signatur der Pflanze verrät also bereits ihren Bezug zum Herz–Element.

Kontraindikationen & Vorsicht

Nicht anwenden bei Blutungsneigung ohne Stase — Dan Shen belebt das Blut und kann Blutungen verstärken. Kontraindiziert in der Schwangerschaft — die Blut–bewegende Wirkung kann den Fötus gefährden.

Nicht gleichzeitig mit Li Lu (Veratrum) anwenden — klassische Inkompatibilität der „18 Unverträglichkeiten“. Nicht zusammen mit Warfarin oder anderen Antikoagulantien verwenden — Dan Shen potenziert deren Wirkung erheblich. Ärztliche Rücksprache bei gleichzeitiger Einnahme von Herzpräparaten ist zwingend erforderlich.

Pflanzenfoto: Dan Shen

Botanik

Salvia miltiorrhiza ist eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) mit einer Wuchshöhe von 30–80 cm. Die Stängel sind vierkantig und behaart, die Blätter gegenständig und unpaarig gefiedert mit 3–7 Teilblättchen. Die blau–violetten Blüten stehen in endständigen Scheinquirlen und erscheinen von Mai bis August.

Das Wurzelsystem ist das medizinisch genutzte Organ — es besteht aus mehreren zylindrischen Wurzeln von intensiv ziegelroter bis dunkelroter Farbe. Diese auffällige Färbung beruht auf dem hohen Gehalt an Tanshinonen. Qualitätsmerkmale sind eine dicke, feste Wurzel mit kräftiger Rotfärbung und zahlreichen feinen Nebenwurzeln.

Vorkommen

  • Ursprünglich in China beheimatet — Hauptanbaugebiete in Sichuan, Shandong und Henan
  • Wildvorkommen an Berghängen, Waldrändern und Grasland in 90–1.300 m Höhe
  • Bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte mit durchlässigen, lehmigen Böden
  • Heute auch in Japan, Korea und zunehmend in Europa kultiviert

Erntezeit

  • Ernte im Spätherbst (Oktober–November), wenn das oberirdische Kraut verwelkt ist
  • Alternativ im zeitigen Frühjahr vor dem Neuaustrieb
  • Pflanzen erst ab dem 2.–3. Standjahr ernten
  • Wurzeln vorsichtig ausgraben, um Beschädigungen zu vermeiden

Verarbeitung

Die Verarbeitung von Dan Shen erfolgt traditionell in mehreren Schritten. Ziel ist es, die Tanshinone und Salvianolsäuren optimal zu erhalten.

  • Rohdroge (Shēng Dān Shēn):
    1. Frische Wurzeln waschen und von Nebenwurzeln befreien
    2. An der Luft oder bei niedriger Temperatur trocknen
    3. In Scheiben schneiden — die tiefrote Schnittfläche zeigt gute Qualität an
  • Mit Wein aufbereitete Droge (Jiǔ Dān Shēn):
    1. Getrocknete Wurzelscheiben mit Reiswein besprühen
    2. Mehrere Stunden ziehen lassen
    3. Sanft anrösten, bis der Wein verdampft ist

    Die Aufbereitung mit Wein verstärkt die Blut–belebende und Leitbahn–öffnende Wirkung.

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