Tian Ma — Gastrodia–Knolle

Das beruhigende Kraut gegen aufsteigendes Leber–Yang

Eine Orchidee ohne Blätter und Chlorophyll — seit der Tang–Dynastie in der höchsten Klasse der Arzneimittel geführt.

Gastrodia tubero Gastrodiae Rhizoma 天麻 Tian Ma

Geschmack Süß
Temperatur Neutral
Meridian Fegato
Pflanzenteil Rhizom
Klasse Obere Klasse
Wirkrichtung Beruhigend

Aiuta con Jing / Shen

Tian Ma — die Knolle der Orchidee Gastrodia elata — gehört zur oberen Klasse des Shén Nóng Běn Cǎo Jīng, dem ältesten Arzneibuch der chinesischen Medizin. Diese höchste Einstufung ist Kräutern vorbehalten, die den Körper stärken, ohne ihm zu schaden — selbst bei langfristiger Einnahme.

Wirkung aus westlicher Sicht

Gastrodin — der Hauptwirkstoff — zeigt in Studien neuroprotektive, entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften.

Wirkung aus TCM–Sicht

Tian Ma beruhigt aufsteigendes Leber–Yang und stillt inneren Wind. Es ist eines der wenigen Kräuter, die gleichzeitig beruhigend und stärkend wirken.

TCM–Anwendung: Tian Ma

Anwendung & Dosierung

9–15 g im Dekokt (Standarddosis) Bis 30 g bei akuten Wind–Symptomen Als Pulver: 1–1,5 g pro Einnahme

Darreichungsformen

Dekokt, Granulat, Tabletten, Pulver

Dosierung

9–15 g (Dekokt)

Kombinationen & Formeln

Mit Gou Teng (Katzenkrallendorn) bildet es das bekannteste Paar gegen aufsteigendes Leber–Yang — zusammen in der Rezeptur Tian Ma Gou Teng Yin. Während Tian Ma den Wind stillt, senkt Gou Teng das Yang ab. Mit Dang Gui und Bai Shao wird es kombiniert, wenn neben dem aufsteigenden Yang auch ein Blut–Mangel der Leber vorliegt. Mit Ban Xia wirkt es gegen Schwindel mit Schleim–Beteiligung.

Geschichte & Tradition

Tian Ma wurde erstmals im Shén Nóng Běn Cǎo Jīng erwähnt — dem ältesten Arzneibuch der chinesischen Medizin, das auf die Han–Dynastie (ca. 200 n. Chr.) zurückgeht. Dort wird es als Kraut der oberen Klasse geführt: Mittel, die das Leben verlängern und bei langfristiger Einnahme nicht schaden. Bereits Sun Simiao, der legendäre Arzt der Tang–Dynastie (7. Jh.), setzte Tian Ma gezielt bei Schwindel, Kopfschmerzen und Krämpfen ein. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es zum unverzichtbaren Bestandteil klassischer Rezepturen wie Tian Ma Gou Teng Yin — bis heute eine der wichtigsten Formeln gegen aufsteigendes Leber–Yang. Der Name Tiān Má bedeutet wörtlich Himmels–Hanf — ein Hinweis auf das überirdische Wachstum der Pflanze, die als Orchidee ohne Blätter und Chlorophyll parasitär auf einem Pilz lebt.

Kontraindikationen & Vorsicht

Nicht anwenden bei Yin–Mangel mit aufsteigendem Yang ohne Wind–Symptome. Vorsicht bei ausgeprägtem Blut–Mangel ohne begleitende Wind–Zeichen. In der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit einem erfahrenen TCM–Therapeuten einsetzen. Bei gleichzeitiger Einnahme von Beruhigungsmitteln oder blutdrucksenkenden Medikamenten ist ärztliche Beratung empfohlen.

Pflanzenfoto: Tian Ma

Botanik

Gastrodia elata ist eine außergewöhnliche Orchidee — sie besitzt weder Blätter noch Chlorophyll und lebt vollständig parasitär auf dem Pilz Armillaria mellea (Hallimasch). Die Pflanze wird bis zu einem Meter hoch, trägt aber nur einen blattlosen Blütenstand mit kleinen, gelblich–braunen Blüten. Die medizinisch genutzte Knolle (Rhizom) wächst unterirdisch und kann bis zu 15 cm lang werden. Sie wird im Winter oder Frühjahr geerntet, gedämpft und getrocknet. Vorkommen: Südwest–China (Yunnan, Sichuan, Guizhou), Bergwäldern in 1200–3000 m Höhe. Heute überwiegend kultiviert (Anbau seit den 1970ern).

Erntezeit

Winter oder Frühjahr

Verarbeitung

Gedämpft und getrocknet

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