Qian Shi — Fuchsnuss–Samen

Der sanfte Stabilisierer — festigt Essenz und stärkt die Mitte

Der Samen der Stachelseerose wächst unter Wasser in einem Panzer aus Dornen — was er im Inneren bewahrt, bewahrt er auch im Körper: Essenz, die sonst verloren ginge. Qian Shi ist das mildeste aller adstringierenden Tonika und schadet selbst bei Langzeitgebrauch nicht.

Fuchsnuss–Samen Euryales Semen 芡实 Qian Shi

Geschmack Süß
Temperatur Neutral
Meridian Milz, Niere
Pflanzenteil Samen
Klasse Obere Klasse
Wirkrichtung Stabilisierend

Aiuta con Yang & Yin

Qian Shi — der stärkehaltige Samen der Stachelseerose (Euryale ferox) — ist eines der mildesten und sichersten Tonika der TCM. Er stärkt die Milz, festigt die Nieren–Essenz und bindet überschüssige Feuchtigkeit, ohne dabei zu trocknen oder zu erhitzen. Diese ausgewogene Natur macht ihn zum idealen Langzeit–Tonikum — besonders für Menschen mit schwacher Verdauung und instabiler Nieren–Funktion.

Wirkung aus westlicher Sicht

Der Samen enthält reichlich Stärke, Proteine und Mineralstoffe. Studien zeigen antioxidative Eigenschaften und eine stabilisierende Wirkung auf den Blutzuckerspiegel. In vitro wurden entzündungshemmende Effekte der Polyphenole nachgewiesen.

Wirkung aus TCM–Sicht

Qian Shi stärkt das Milz–Qi und stoppt Durchfall, festigt die Nieren–Essenz und behandelt Spermatorrhoe sowie vaginalen Ausfluss. Er bindet Feuchtigkeit und wirkt mild adstringierend, ohne die Verdauung zu belasten.

TCM–Anwendung: Qian Shi

Anwendung & Dosierung

10–15 g im Dekokt (Standarddosis) Bis 30 g als Nahrungsmittel (Congee, Suppe) Als Pulver: 3–6 g pro Einnahme

Darreichungsformen

Dekokt, Pulver, Congee, Granulat

Dosierung

10–15 g (Dekokt)

Kombinationen & Formeln

Mit Lian Zi (Lotussamen) und Sha Yuan Zi bildet er die klassische Dreierkombination zur Festigung der Nieren–Essenz in Jin Suo Gu Jing Wan. Mit Bai Zhu und Shan Yao stärkt er das Milz–Qi bei chronischem Durchfall mit Feuchtigkeits–Beteiligung. Mit Jin Ying Zi wird er bei vaginalen Ausfluss und häufigem Wasserlassen kombiniert.

Geschichte & Tradition

Qian Shi wird im Shén Nóng Běn Cǎo Jīng als Kraut der oberen Klasse geführt — Mittel, die das Leben verlängern und bei langfristiger Einnahme nicht schaden. Der Name Qiàn Shí (芡实) bedeutet wörtlich Stachelpflanzen–Frucht. In der klassischen Rezeptur Jin Suo Gu Jing Wan (Goldene Schloss–Pille) bildet Qian Shi zusammen mit Lian Zi und Sha Yuan Zi das Fundament zur Festigung der Nieren–Essenz. Bereits Li Shizhen beschrieb im Běn Cǎo Gāng Mù (16. Jh.) die Fähigkeit von Qian Shi, Feuchtigkeit zu binden, ohne die Körpersäfte zu verletzen — eine seltene Eigenschaft unter den adstringierenden Kräutern.

Kontraindikationen & Vorsicht

Nicht anwenden bei akuter Verstopfung oder Völlegefühl — die adstringierende Wirkung kann die Symptome verschlimmern. Vorsicht bei Feuchtigkeit–Hitze im unteren Erwärmer mit dunklem, trübem Urin. Bei starker Milz–Schwäche mit ausgeprägter Appetitlosigkeit zunächst die Verdauung stärken, bevor adstringierende Mittel eingesetzt werden.

Pflanzenfoto: Qian Shi

Botanik

Euryale ferox ist eine einjährige Wasserpflanze aus der Familie der Seerosengewächse. Die riesigen, runden Schwimmblätter können über einen Meter Durchmesser erreichen und sind mit spitzen Stacheln besetzt — daher der Name Stachelseerose. Die Pflanze bildet kugelförmige, stachelige Früchte, in denen die stärkereichen Samen heranreifen. Diese werden im Herbst geerntet, von der harten Schale befreit und getrocknet. Vorkommen: Stehende und langsam fließende Gewässer in Ost– und Südostasien, besonders in den chinesischen Provinzen Jiangsu, Hunan und Guangdong.

Verwandte Kräuter

Kräuter mit ähnlicher Wirkung und verwandten Einsatzgebieten