Sang Ye — Maulbeer–Blatt

Kühlendes Blatt gegen Wind–Hitze und trübe Augen

Im Herbst geerntet, nachdem der erste Frost die Blätter des Maulbeerbaums berührt hat — diese sogenannten Frost–Blätter gelten in der TCM als besonders geschätzt. Sang Ye zerstreut Wind–Hitze, klärt die Leber und schärft den Blick bei verschwommenem Sehen.

Feuille de mûrier Mori Folium 桑叶 Sang Ye

Goût Doux, amer
Température Froid
Meridian Poumon, foie
Partie de la plante Feuille
Classe Classe moyenne
Direction d'action À titre de clarification

Aide pour Chaleur

Sang Ye — das Blatt des Maulbeerbaums (Morus alba) — ist ein leichtes, kühlendes Kraut, das Wind–Hitze zerstreut und die Lunge befeuchtet. Es gehört zu den milden Oberflächenlösern und wird klassisch bei Wind–Hitze in der Lunge mit trockener Kehle und geröteten Augen eingesetzt.

Seine besondere Stärke liegt in der Fähigkeit, sowohl die Lunge zu kühlen als auch die Leber zu beruhigen — was es zu einem vielseitigen Kraut macht, wenn im Frühling und Herbst Wind–Hitze die Oberfläche angreift.

Effet du point de vue de la MTC

Sang Ye ist ein mildes, kühlendes Kraut, das auf die Leitbahnen von Lunge und Leber wirkt. Es zerstreut Wind–Hitze von der Oberfläche und befeuchtet gleichzeitig die Lunge — eine seltene Kombination unter den Oberflächenlösern.

  • Zerstreut Wind–Hitze: Löst ein frühes Wind–Hitze–Muster mit Hitzegefühl, Rötung im Hals und leichtem Schwitzen.
  • Kühlt die Lunge und befeuchtet: Nährt die trockene Lunge bei wenig oder zähem Schleim — besonders bei Herbst–Trockenheit.
  • Kühlt die Leber und klärt die Augen: Klärt gerötete, trockene oder brennende Augen durch aufsteigende Leber–Hitze oder Leber–Wind.
  • Beruhigt aufsteigendes Leber–Yang: Mild ausgleichend auf das Leber–Yang — bei Benommenheit und Druck im Kopf durch Leber–Yang–Aufsteigen.
TCM–Anwendung: Sang Ye

Utilisation & dosage

La dose standard est de 5 à 10 g im Dekokt. Bei akutem Wind–Hitze–Muster kann die Dosis auf bis zu 15 g erhöht werden. Sang Ye wird nur kurz mitgekocht (5–10 Min.), da langes Kochen die leichten, zerstreuenden Inhaltsstoffe zerstört.

Als Tee eignen sich 3–5 g mit heißem Wasser übergossen — eine angenehme Form für die tägliche Augenpflege. Als Pulver werden 1,5–3 g pro Einnahme empfohlen.

Formes d'administration

  • Déco : 5–10 g, nur 5–10 Min. mitkochen — Standardzubereitung bei akuten Wind–Hitze–Mustern der Lunge.
  • Tee: 3–5 g mit heißem Wasser aufgießen — milde Alltagsform bei Augenrötung und leichter Hitze.
  • Granulés : 1–2 g täglich — praktische Darreichungsform für die Langzeitanwendung.
  • Poudre : 1,5–3 g pro Einnahme — wird klassisch bei Leber–Hitze in den Augen verwendet.

Dosage

  • Dekokt: 5–10 g (bis 15 g bei akuter Wind–Hitze)
  • Tee: 3–5 g
  • Pulver: 1,5–3 g pro Einnahme
  • Granulés : 1 à 2 g par jour

Partenaires de combinaison fréquents

Sang Ye entfaltet seine volle Wirkung oft erst in Kombination mit anderen Kräutern

Histoire et tradition

Sang Ye wird bereits im Shén Nóng Běn Cǎo Jīng erwähnt — dem ältesten Kräuterbuch Chinas — und dort als Mittel zur Klärung der Augen und Zerstreuung von Wind beschrieben. Seit der Dynastie Tang ist es fester Bestandteil der Kräuterheilkunde und wurde von Generationen von Ärzten bei beginnender Wind–Hitze und Augenleiden geschätzt.

Seinen Höhepunkt in seiner Bedeutung für die Praxis erreichte Sang Ye durch eine berühmte Rezeptur — formuliert von Wu Jutong im Wēn Bìng Tiáo Biàn (1798). In diesem Klassiker der Wēn Bìng–Schule bildet Sang Ye zusammen mit Ju Hua die beiden Hauptkräuter gegen Wind–Hitze im Frühstadium der äußeren Invasion. Die Rezeptur gilt bis heute als Goldstandard bei beginnender Wind–Hitze mit Halsweh und leichter Hitzeentwicklung.

Le Maulbeerbaum ist in der chinesischen Kultur tief verwurzelt — als Futterpflanze der Seidenraupen symbolisiert er Fleiß, Wohlstand und die Verbindung von Natur und Handwerk. Die Blätter werden traditionell nach dem ersten Frost geerntet — sogenanntes Shuāng Sang Ye — da die Kälte ihre kühlende Wirkung verstärken soll. Dieses Ernteprinzip spiegelt das TCM–Verständnis wider, dass klimatische Einflüsse die Wirkung des Krautes prägen.

Die enge Verwandtschaft mit Sang Bai Pi (Wurzelrinde), Sang Zhi (Zweige) und Sang Shen (Früchte) macht den Maulbeerbaum zum vielseitigsten Kräuterlieferanten der TCM — jeder Pflanzenteil hat seine eigene Nische im Wirkspektrum.

Contre-indications & précautions

  • Attention à Wind–Kälte–Erkältungen mit klarem Nasenfluss und Kälteempfinden — die kühle Natur ist hier kontraproduktiv.
  • Sauf chez Déficience du Qi des poumons mit langandauerndem, kraftlosem Husten ohne Hitze– oder Trockenheitszeichen.
  • Bei ausgeprägter Kälte im Magen mit Übelkeit und wässrigem Stuhl vermeiden.
Pflanzenfoto: Sang Ye

Botanique

Morus alba ist ein sommergrüner Laubbaum aus der Familie der Maulbeergewächse (Moraceae), der Wuchshöhen von 10–15 m erreicht. Die wechselständigen, herzförmigen bis eiförmigen Blätter werden 5–15 cm lang und sind am Rand unregelmäßig gezähnt. Die Blattoberseite ist kahl und glänzend grün, die Unterseite heller und entlang der Blattnerven leicht behaart.

Die Blätter werden im Spätherbst nach dem ersten Frost geerntet — sogenanntes Shuāng Sang Ye gilt als qualitativ hochwertiger, da die Kälteeinwirkung den Gehalt an Flavonoiden erhöht. Gute Drogenqualität zeigt große, intakte Blätter mit sattgrüner Farbe und frischem, leicht krautigem Duft.

Occurrence

  • Chine : Kultiviert in den traditionellen Seidenanbauregionen Zhejiang, Jiangsu und Shandong — hier liegt das Hauptanbaugebiet für Kraut/Droge–Qualität.
  • Zentralasien: Wildvorkommen und Kultivierung in Afghanistan, Pakistan und dem nördlichen Indien (Kaschmir).
  • Südeuropa: Seit dem Mittelalter zur Seidenraupenzucht eingeführt, verwildert in Italien, Spanien und Südfrankreich.
  • Weltweit: Als Zier– und Nutzbaum inzwischen in gemäßigten und subtropischen Klimazonen auf allen Kontinenten verbreitet.

Le temps des récoltes

  • Haupterntezeit im Spätherbst nach dem ersten Frost (Oktober–November) — sogenanntes Shuāng Sang Ye mit höherem Flavonoid–Gehalt
  • Sommerblätter (Juni–August) werden ebenfalls gesammelt, gelten aber als inhaltsstoffärmer
  • Ernte am frühen Morgen bei trockenem Wetter — feuchte Blätter neigen zu Schimmelbildung
  • Nur gesunde, unbeschädigte Blätter ohne Fraßspuren oder Pilzbefall verwenden

Traitement

Die Verarbeitung von Sang Ye ist unkompliziert, da das Blatt keine aufwendige Vorbereitung benötigt. Entscheidend ist die schonende Trocknung, um die flüchtigen Inhaltsstoffe zu bewahren.

  • Rohes Blatt (Shēng Sang Ye)
    1. Frisch geerntete Blätter von Stielen befreien und verlesen
    2. Im Schatten ausbreiten und bei guter Belüftung trocknen — direkte Sonneneinstrahlung vermeiden
    3. Wenden, bis die Blätter spröde und brüchig sind
  • Honig–geröstet (Mì Zhì Sang Ye)
    1. Getrocknete Blätter mit verdünntem Honig besprühen (Verhältnis ca. 1:5 Honig zu Kraut)
    2. In der Pfanne bei niedriger Hitze rösten, bis die Oberfläche leicht klebrig und goldbraun ist
    3. Abkühlen lassen — die Honig–Röstung verstärkt die befeuchtende und Lungen–nährende Wirkung

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