Ru Xiang — Weihrauch–Harz
Ru Xiang — das aromatische Harz des Weihrauchbaums (Boswellia carterii) — ist eines der wichtigsten Blut bewegenden und schmerzlindernden Kräuter der TCM. Mit seiner warmen, scharfen und bitteren Natur durchdringt es die Leitbahnen, löst Blut–Stase und entspannt Sehnen und Muskeln. Es wird klassisch bei traumatischen Verletzungen, Bi–Syndromen (schmerzhafte Gelenke) und Abszessen eingesetzt — fast immer in Kombination mit seinem Partner Mo Yao (Myrrhe).
Wirkung aus westlicher Sicht
Boswelliasäuren — die Hauptwirkstoffe — hemmen die 5–Lipoxygenase und zeigen ausgeprägte entzündungshemmende Eigenschaften. Klinische Studien belegen Wirksamkeit bei Arthrose und rheumatoider Arthritis. AKBA (Acetyl–11–keto–beta–Boswelliasäure) wird als potentester Entzündungshemmer der Boswelliasäuren erforscht.
Wirkung aus TCM–Sicht
Ru Xiang belebt das Blut und bewegt Qi, lindert Schmerzen und reduziert Schwellungen. Es entspannt Sehnen und fördert die Regeneration von Gewebe. Bei Abszessen und Geschwüren fördert es die Eiterableitung und Wundheilung.
Kombinationen & Formeln
Mit Mo Yao (Myrrhe) bildet Ru Xiang das klassische Paar Rǔ Mò — die Standardkombination bei Blut–Stase–Schmerzen, traumatischen Verletzungen und Abszessen. Beide Harze ergänzen sich synergistisch. Mit Dang Gui und Chuan Xiong bei Blut–Stase–Schmerzen mit begleitendem Blut–Mangel. Mit Chi Shao und Hong Hua bei akuten traumatischen Schwellungen und Hämatomen.
Geschichte & Tradition
Ru Xiang gelangte über die antike Weihrauchstraße aus Ostafrika und der arabischen Halbinsel nach China. Der Name Rǔ Xiāng bedeutet wörtlich Milch–Duft — ein Hinweis auf das milchig–weiße Harz, das aus der angeritzten Rinde des Baums tropft. Bereits in der Tang–Dynastie wurde Ru Xiang als wertvolles Importgut gehandelt. Die Kombination mit Mo Yao (Myrrhe) — das berühmte Paar Rǔ Mò — geht auf die Song–Dynastie zurück und ist bis heute eine der am häufigsten verwendeten Kräuterkombinationen in der Traumatologie und Schmerztherapie der TCM. Li Shizhen beschrieb im Běn Cǎo Gāng Mù die Fähigkeit von Ru Xiang, in alle zwölf Leitbahnen einzudringen — eine außergewöhnliche Breitenwirkung.
Kontraindikationen & Vorsicht
Nicht anwenden in der Schwangerschaft — Ru Xiang bewegt Blut stark und kann Kontraktionen fördern. Vorsicht bei Magen–Empfindlichkeit — die rohe Form kann Übelkeit und Erbrechen auslösen (daher Essig–Verarbeitung bevorzugen). Nicht bei Blutungen ohne Blut–Stase anwenden. Bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern ist ärztliche Rücksprache erforderlich.
Botanik
Boswellia carterii (syn. B. sacra) ist ein kleiner, knorriger Baum, der 2–8 m hoch wird und in den Trockengebieten Ostafrikas (Somalia, Äthiopien) und der arabischen Halbinsel (Oman, Jemen) wächst. Das Harz wird durch Einritzen der Rinde gewonnen — es tritt als milchig–weiße Flüssigkeit aus und härtet an der Luft zu gelblich–bernsteinfarbenen Tropfen. Die Qualität wird nach Farbe, Reinheit und Duft beurteilt — helle, große Tropfen mit starkem Duft gelten als beste Qualität. Für die TCM–Verwendung wird das Harz oft in Essig gebraten (Cù Zhì Rǔ Xiāng), um die reizende Wirkung auf den Magen zu mildern.
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