Sha Shen — Glehnia–Wurzel

Die sanfte Yin–Wurzel — nährt Lunge und Magen bei Trockenheit

Nördliche und südliche Sha Shen stammen von verschiedenen Pflanzen, werden aber oft verwechselt — die nördliche Glehnia–Wurzel ist milder und kühler, die südliche Adenophora–Wurzel etwas stärker schleimlösend. Beide nähren das kostbare Yin von Lunge und Magen.

Glehnia–Wurzel Glehniae Radix 沙参 Sha Shen

Geschmack Süß
Temperatur Leicht kühl
Meridian Lunge, Magen
Pflanzenteil Wurzel
Klasse Obere Klasse
Wirkrichtung Yin nährend

Hilft bei Yang & Yin

Sha Shen — hier als Bei Sha Shen (Glehnia littoralis) — ist ein mildes Yin–Tonikum der oberen Klasse, das gezielt die Lunge und den Magen nährt. Es wird bei Trockenheits–Syndromen eingesetzt: trockener Husten, trockener Hals, Durst und Mundtrockenheit. Im Vergleich zu stärkeren Yin–Tonika wie Mai Men Dong ist Sha Shen sanfter und eignet sich besonders für den Einstieg in die Yin–Nährung.

Wirkung aus westlicher Sicht

Polysaccharide und Cumarine in Sha Shen zeigen in Studien immunmodulierende, antitussive und entzündungshemmende Eigenschaften. Klinische Untersuchungen bestätigen eine schleimhautbefeuchtende Wirkung und positive Effekte bei chronischer Pharyngitis.

Wirkung aus TCM–Sicht

Sha Shen nährt das Lungen–Yin und befeuchtet die Lunge. Es klärt Lungen–Hitze bei trockenem Husten und erzeugt Körperflüssigkeiten. Über seinen Magen–Bezug nährt es auch das Magen–Yin bei Trockenheit, Durst und Appetitlosigkeit nach fieberhaften Erkrankungen.

TCM–Anwendung: Sha Shen

Anwendung & Dosierung

10–15 g im Dekokt Bei ausgeprägter Trockenheit: bis 30 g Als Nahrungsmittel in Suppen (besonders Lungen–nährende Suppen)

Darreichungsformen

Dekokt, Granulat, Suppe, Congee

Dosierung

10–15 g (Dekokt)

Kombinationen & Formeln

Mit Mai Men Dong bildet es das klassische Paar zur Lungen–Yin–Nährung — zusammen in der Rezeptur Sha Shen Mai Dong Tang (Ye Tianshi). Mit Yu Zhu und Tian Hua Fen bei Magen–Yin–Mangel mit Trockenheit und Durst. Mit Bai He und Chuan Bei Mu bei trockenem Husten nach Infekt mit zähem, spärlichem Schleim.

Geschichte & Tradition

Sha Shen wurde im Shén Nóng Běn Cǎo Jīng als Mittel zur Nährung der Lunge beschrieben. In der Ming–Dynastie unterschied man erstmals zwischen Bei Sha Shen (nördliche Sandwurzel — Glehnia) und Nan Sha Shen (südliche Sandwurzel — Adenophora). Beide nähren das Yin, aber Bei Sha Shen gilt als stärker befeuchtend. Der Name Shā Shēn bedeutet wörtlich Sand–Ginseng — ein Hinweis auf den sandigen Küstenboden, in dem Glehnia bevorzugt wächst.

Kontraindikationen & Vorsicht

Nicht bei Husten durch Wind–Kälte oder Schleim–Feuchtigkeit einsetzen — die befeuchtende Wirkung kann Schleim verstärken. Vorsicht bei Milz–Yang–Mangel mit Durchfall. Klassische Inkompatibilität: Nicht mit Li Lu (Veratrum) kombinieren.

Pflanzenfoto: Sha Shen

Botanik

Glehnia littoralis ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler. Sie wächst wild an sandigen Küsten und wird bis zu 30 cm hoch. Die weiße, fleischige Wurzel wird im Herbst geerntet. Vorkommen: Küstengebiete Nordchinas (Shandong, Hebei, Liaoning), auch in Japan und Korea. Zunehmend kultiviert.

Erntezeit

Herbst

Verarbeitung

Geschält, getrocknet (Bei Sha Shen) oder ungeschält (Nan Sha Shen)

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