Sang Bai Pi — Maulbeerwurzel–Rinde

Die kühlende Wurzelrinde — senkt Lungen–Qi ab und klärt Hitze

Der Maulbeerbaum schenkt der TCM gleich vier verschiedene Arzneien — Blatt, Zweig, Frucht und Wurzelrinde. Sang Bai Pi, die weiße Wurzelrinde, senkt das Lungen–Qi ab und klärt gleichzeitig Hitze: das Mittel der Wahl bei pfeifender Atmung mit gelbem Auswurf.

Maulbeerwurzel–Rinde Mori Cortex 桑白皮 Sang Bai Pi

Geschmack Süß
Temperatur Kalt
Meridian Poumon
Pflanzenteil Rinde
Klasse Mittlere Klasse
Wirkrichtung Klärend

Aide pour Chaleur

Sang Bai Pi — die weiße Wurzelrinde des Maulbeerbaums (Morus alba) — ist ein klassisches Kraut zur Behandlung von Lungen–Hitze mit Husten und Atemnot. Mit seiner kalten, süßen Natur senkt es aufsteigendes Lungen–Qi ab, klärt Hitze und fördert die Harnausscheidung bei Ödemen. Es ist das Hauptkraut in der berühmten Rezeptur Xie Bai San — die Standardformel bei Lungen–Hitze mit Husten und Keuchen.

Wirkung aus westlicher Sicht

Morusin und Kuwanon G — bioaktive Flavonoide aus der Rinde — zeigen in Studien entzündungshemmende und bronchodilatatorische Eigenschaften. Tierexperimentelle Daten belegen diuretische Effekte und eine Senkung des Blutdrucks. Antihyperglykämische Wirkungen wurden ebenfalls beschrieben.

Wirkung aus TCM–Sicht

Sang Bai Pi klärt Lungen–Hitze und senkt aufsteigendes Lungen–Qi ab. Es behandelt Husten und Keuchen mit gelbem, zähem Schleim. Zusätzlich fördert es die Harnausscheidung und reduziert Ödeme — besonders Gesichts– und Lidödeme durch Lungen–Qi–Stagnation.

TCM–Anwendung: Sang Bai Pi

Anwendung & Dosierung

6–12 g im Dekokt (Standarddosis) Honiggebraten (Mì Zhì) bei chronischem Husten mit Trockenheit Roh bei akuter Lungen–Hitze Als Pulver: 2–3 g pro Einnahme

Darreichungsformen

Dekokt, Granulat, Pulver, honiggebraten

Dosierung

6–12 g (Dekokt)

Kombinationen & Formeln

In Xie Bai San mit Di Gu Pi und Geng Mi — die Standardrezeptur bei Lungen–Hitze mit Husten und morgendlichem Keuchen. Mit Huang Qin bei Lungen–Hitze mit reichlich gelbem Schleim und Atemnot. Mit Fu Ling und Da Fu Pi bei Ödemen durch gestörte Lungen–Funktion mit beeinträchtigter Wasserverteilung.

Geschichte & Tradition

Sang Bai Pi wird im Shén Nóng Běn Cǎo Jīng als Kraut der mittleren Klasse geführt. Der Maulbeerbaum — Sāng (桑) — hat in der chinesischen Kultur eine jahrtausendealte Bedeutung als Seidenraupen–Futterpflanze und Arzneilieferant. Bemerkenswert ist, dass fast alle Teile des Maulbeerbaums medizinisch genutzt werden: die Wurzelrinde (Sang Bai Pi), die Blätter (Sang Ye), die Zweige (Sang Zhi), die Früchte (Sang Shen) und sogar der Parasit auf dem Baum (Sang Ji Sheng). Die honiggebratene Form (Mì Zhì Sang Bai Pi) wird bevorzugt bei chronischem Husten mit Yin–Mangel eingesetzt — das Honig–Rösten mildert die kalte Natur und stärkt die befeuchtende Wirkung.

Kontraindikationen & Vorsicht

Nicht anwenden bei Husten durch Lungen–Kälte oder Wind–Kälte — die kalte Natur würde die Situation verschlimmern. Vorsicht bei Lungen–Qi–Mangel mit chronischem, kraftlosem Husten ohne Hitzezeichen. Bei ausgeprägter Milz–Schwäche mit Ödemen zunächst die Mitte stärken. Langfristige Anwendung hoher Dosen kann die Verdauung belasten.

Pflanzenfoto: Sang Bai Pi

Botanik

Morus alba ist ein sommergrüner Laubbaum, der 10–15 m hoch wird. Für die Arznei wird die Wurzelrinde im Spätherbst oder Winter ausgegraben, die äußere gelb–braune Korkschicht abgeschabt und die innere weiße Rinde getrocknet. Die Qualität gilt als gut, wenn die Rinde dick, weiß und faserig ist — daher der Name Bái Pí (weiße Rinde). Vorkommen: Der Maulbeerbaum wird seit Jahrtausenden in ganz China kultiviert, besonders in den Seidenanbaugebieten der Provinzen Zhejiang, Jiangsu und Sichuan.

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