Sang Zhi — Maulbeer–Zweig

Der geschmeidige Zweig — öffnet die Leitbahnen und löst Wind–Feuchtigkeit

Die jungen, biegsamen Zweige des Maulbeerbaums spiegeln in der Signaturenlehre genau das wider, was sie heilen: steife, schmerzende Gelenke. Sang Zhi öffnet die Leitbahnen der Arme und Schultern und leitet Wind–Feuchtigkeit aus, die sich in den Extremitäten festgesetzt hat.

Maulbeer–Zweig Mori Ramulus 桑枝 Sang Zhi

Geschmack Bitter
Temperatur Neutral
Meridian Liver
Pflanzenteil Zweig
Klasse Mittlere Klasse
Wirkrichtung Bewegend

Helps with Humidity

Sang Zhi — die jungen Zweige des Maulbeerbaums (Morus alba) — ist ein mildes, neutrales Kraut, das Wind–Feuchtigkeit aus den Gelenken und Leitbahnen vertreibt. Mit seiner besonderen Affinität zu den oberen Extremitäten wird es klassisch bei Schulter– und Armschmerzen, steifen Gelenken und Taubheitsgefühl eingesetzt. Im Gegensatz zu vielen Wind–Feuchtigkeit–Kräutern ist es mild genug für eine längere Anwendung.

Wirkung aus westlicher Sicht

Morin und Oxyresveratrol aus den Zweigen zeigen in Studien entzündungshemmende und analgetische Eigenschaften. Tierexperimentelle Daten belegen eine Hemmung von Entzündungsmediatoren in Gelenkgewebe. Milde hypoglykämische Effekte wurden ebenfalls beschrieben.

Wirkung aus TCM–Sicht

Sang Zhi vertreibt Wind–Feuchtigkeit und öffnet die Leitbahnen in den Extremitäten — besonders in Schultern und Armen. Es lindert Bi–Syndrom–Schmerzen (schmerzhafte Gelenke durch Wind, Kälte oder Feuchtigkeit) und reduziert Schwellungen. Zusätzlich fördert es die Harnausscheidung bei Wind–Feuchtigkeit–Ödemen.

TCM–Anwendung: Sang Zhi

Anwendung & Dosierung

10–30 g im Dekokt (Standarddosis, höhere Dosis möglich) In Wein eingeweicht (Jiǔ Zhì) für stärkere Leitbahn–Öffnung Als Pulver: 3–6 g pro Einnahme

Darreichungsformen

Dekokt, Wein–Einweichung, Granulat, Pulver

Dosierung

10–30 g (Dekokt)

Kombinationen & Formeln

Mit Wei Ling Xian und Qiang Huo bei Wind–Feuchtigkeit–Bi–Syndrom mit Schmerzen in Schultern und Armen. Mit Gui Zhi bei Bi–Syndrom mit Kälte–Beteiligung — Sang Zhi löst die Feuchtigkeit, Gui Zhi wärmt die Leitbahnen. Mit Yi Yi Ren und Fang Ji bei Wind–Feuchtigkeit–Ödemen der Extremitäten.

Geschichte & Tradition

Sang Zhi wird seit der Song–Dynastie als eigenständiges Arzneimittel geführt — die Erkenntnis, dass die Zweige des Maulbeerbaums eine andere Wirkung als Blätter, Rinde oder Früchte haben, reifte erst im Laufe der Jahrhunderte. Der Arzt Zhu Danxi (Yuan–Dynastie) empfahl Sang Zhi gezielt bei Schmerzen im Schulter– und Armbereich — eine Indikation, die bis heute gilt. Die Theorie dahinter: Da die Zweige die äußeren Extremitäten des Baumes sind, wirken sie bevorzugt auf die Extremitäten des Menschen — ein Beispiel für das Signaturenprinzip in der TCM. Die Vielseitigkeit des Maulbeerbaums — Blätter (Sang Ye), Wurzelrinde (Sang Bai Pi), Zweige (Sang Zhi), Früchte (Sang Shen) — macht ihn zum Paradebeispiel dafür, wie verschiedene Pflanzenteile völlig unterschiedliche Wirkungen entfalten.

Kontraindikationen & Vorsicht

Kaum Kontraindikationen aufgrund der milden, neutralen Natur. Vorsicht bei ausgeprägtem Yin–Mangel mit Hitzezeichen — hier zunächst das Yin nähren. Bei Bi–Syndrom durch reine Wind–Hitze ist Sang Zhi weniger geeignet als kühlende Alternativen wie Ren Dong Teng.

Pflanzenfoto: Sang Zhi

Botanik

Die jungen Zweige von Morus alba werden im Spätherbst oder Frühling geschnitten, von der äußeren Rinde befreit, in Scheiben geschnitten und getrocknet. Bevorzugt werden einjährige Triebe, die noch biegsam und saftig sind. Gute Qualität zeigt helle Schnittflächen und einen leicht süßlichen Geschmack beim Kauen. Vorkommen: Wie der Maulbeerbaum selbst in ganz China kultiviert, besonders in den Provinzen Jiangsu, Zhejiang und Anhui.

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