Sang Ye — Maulbeer–Blatt
Sang Ye — das Blatt des Maulbeerbaums (Morus alba) — ist ein leichtes, kühlendes Kraut, das Wind–Hitze zerstreut und die Lunge befeuchtet. Es gehört zu den milden Oberflächenlösern und wird klassisch bei Erkältungen mit Halsschmerzen, trockenem Husten und geröteten Augen eingesetzt. Seine besondere Stärke liegt in der Fähigkeit, sowohl die Lunge zu kühlen als auch die Leber zu beruhigen — was es zu einem vielseitigen Kraut bei Frühlings– und Herbsterkältungen macht.
Wirkung aus westlicher Sicht
Rutin und Quercetin — die Hauptflavonoide — zeigen antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. 1–Deoxynojirimycin (DNJ) hemmt die Alpha–Glucosidase und senkt postprandiale Blutzuckerspitzen. Klinische Studien belegen eine milde blutdrucksenkende und blutzuckerregulierende Wirkung.
Wirkung aus TCM–Sicht
Sang Ye zerstreut Wind–Hitze und behandelt Erkältungen mit Fieber, Halsschmerzen und Kopfschmerzen. Es kühlt die Lunge und befeuchtet bei trockenem Husten. Zusätzlich kühlt es die Leber und klärt die Augen bei Rötung, Trockenheit und verschwommenem Sehen. Mild blutdrucksenkend durch Beruhigung der Leber.
Anwendung & Dosierung
5–10 g im Dekokt (Standarddosis) Bis 15 g bei Wind–Hitze–Erkältungen Als Tee: 3–5 g mit heißem Wasser aufgießen Als Pulver: 1,5–3 g pro Einnahme
Darreichungsformen
Dekokt, Tee, Granulat, Pulver
Dosierung
5–10 g (Dekokt)
Kombinationen & Formeln
In Sang Ju Yin mit Ju Hua, Lian Qiao und Bo He — die Standardrezeptur bei Wind–Hitze–Erkältungen im Frühstadium. Mit Xing Ren und Bei Sha Shen bei trockenem Husten durch Lungen–Trockenheit im Herbst (Sang Xing Tang). Mit Ju Hua und Jue Ming Zi bei geröteten, trockenen Augen durch aufsteigende Leber–Hitze.
Geschichte & Tradition
Sang Ye wird im Shén Nóng Běn Cǎo Jīng erwähnt und ist seit der Tang–Dynastie fester Bestandteil der Kräuterheilkunde. In der berühmten Rezeptur Sang Ju Yin — formuliert von Wu Jutong im Wēn Bìng Tiáo Biàn (1798) — bildet Sang Ye zusammen mit Ju Hua die beiden Hauptkräuter gegen Wind–Hitze–Erkältungen. Der Maulbeerbaum ist in der chinesischen Kultur tief verwurzelt — als Futterpflanze der Seidenraupen symbolisiert er Fleiß und Wohlstand. Die Blätter werden traditionell nach dem ersten Frost geerntet (Shuāng Sang Ye), da die Kälte ihre kühlende Wirkung verstärken soll. Die enge Verwandtschaft mit Sang Bai Pi (Wurzelrinde), Sang Zhi (Zweige) und Sang Shen (Früchte) macht den Maulbeerbaum zum vielseitigsten Arzneilieferanten der TCM.
Kontraindikationen & Vorsicht
Vorsicht bei Wind–Kälte–Erkältungen mit klarem Nasenfluss und Kälteempfinden — die kühle Natur ist hier kontraproduktiv. Nicht bei Lungen–Qi–Mangel mit chronischem, kraftlosem Husten ohne Hitze– oder Trockenheitszeichen. Bei ausgeprägter Kälte im Magen mit Übelkeit und wässrigem Stuhl vermeiden.
Botanik
Morus alba ist ein sommergrüner Laubbaum mit wechselständigen, herzförmigen Blättern, die 5–15 cm lang werden. Die Blätter werden im Spätherbst nach dem ersten Frost geerntet (Shuāng Sang Ye gilt als qualitativ hochwertiger) und schonend getrocknet. Gute Qualität zeigt große, intakte Blätter mit grüner Farbe und frischem Duft. Vorkommen: Kultiviert in ganz China, besonders in den traditionellen Seidenanbauregionen Zhejiang, Jiangsu und Shandong.
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