Yi Yi Ren — Hiobstränensamen
Yi Yi Ren — die Hiobsträne — ist ein mildes, vielseitiges Kraut, das Feuchtigkeit ausleitet, ohne den Körper zu schwächen. Als Kraut der Oberen Klasse kann es über längere Zeit eingenommen werden und dient sogar als Nahrungsmittel in der chinesischen Küche. Yi Yi Ren stärkt die Milz — die Quelle der Feuchtigkeit — und leitet gleichzeitig bestehende Nässe aus. Es ist das Mittel der Wahl bei Feuchtigkeit mit Milz–Schwäche.
Wirkung aus westlicher Sicht
Coixenolid — der Hauptwirkstoff — zeigt in Studien antitumorale Aktivität, insbesondere bei Magen– und Darmkrebs. In China ist ein Coix–Extrakt (Kanglaite) als unterstützendes Krebsmedikament zugelassen.
- Antitumorale Aktivität von Coixenolid — besonders bei Magen– und Darmkrebs in klinischen Studien
- Kanglaite–Injektion in China als adjuvantes Krebsmedikament zugelassen
- Entzündungshemmende und immunmodulierende Effekte nachgewiesen
- Hypoglykämische Wirkung — relevant bei Diabetes–begleitender Feuchtigkeit
- Verbesserung der Darmflora bei chronischer Feuchtigkeit im Verdauungstrakt
Wirkung aus TCM–Sicht
Yi Yi Ren leitet Feuchtigkeit aus und fördert die Diurese — bei Ödemen, schwerem Körpergefühl und trübem Urin. Es stärkt die Milz und stoppt Durchfall — besonders bei chronischem Durchfall durch Milz–Qi–Mangel mit Feuchtigkeit.
- Leitet Feuchtigkeit aus und fördert die Diurese — bei Ödemen, Schwere und trübem Urin
- Stärkt die Milz und stoppt Durchfall — bei chronischem Durchfall durch Milz–Qi–Mangel
- Klärt Feuchtigkeit–Hitze in den Leitbahnen — bei Gelenkschmerzen und Schwellungen (Bi–Syndrom)
- Klärt Hitze und leitet Eiter ab — bei Lungenabszess und Darmentzündungen
- Glättet die Haut — traditionelle Anwendung bei Warzen und unreiner Haut durch Feuchtigkeit
Anwendung & Dosierung
Dekokt: 9–30 g (Standarddosis), bis 60 g als Nahrungsmittel (Congee) Granulat: 3–6 g, aufgelöst in warmem Wasser Tabletten: gemäß Herstellerangabe, meist 2–3 × täglich Pulver: 3–6 g, in Suppen oder Congee eingerührt Roh: stärker feuchtigkeitsausleitend — gebraten: stärker milzstärkend
Darreichungsformen
Dekokt, Granulat, Congee, Suppe
Dosierung
9–30 g (Dekokt)
Kombinationen & Formeln
Mit Bai Zhu und Fu Ling in Shen Ling Bai Zhu San stärkt Yi Yi Ren die Milz und löst Feuchtigkeit — bei chronischem Durchfall mit Appetitlosigkeit. Mit Cang Zhu und Huang Bai in Si Miao San klärt es Feuchtigkeit–Hitze im Unteren Erwärmer — bei Gelenkschmerzen und Ausfluss. Mit Dong Gua Ren und Lu Gen leitet es Eiter ab bei Lungenabszess. Mit Ma Huang und Xing Ren in Ma Xing Yi Gan Tang behandelt es Feuchtigkeit–Bi mit Gelenkschmerzen und Schweregefühl.
Geschichte & Tradition
Yi Yi Ren gehört zu den ältesten Nahrungsmittel–Arzneien Chinas. Im Shén Nóng Běn Cǎo Jīng wird es als Kraut der Oberen Klasse geführt — geeignet für die Langzeiteinnahme, da es mild und ohne Nebenwirkungen den Körper stärkt. Der Name Yi Yi Ren (藏苡仁) leitet sich von der Pflanze Coix lacryma–jobi ab, die im Deutschen Hiobsträne heißt — benannt nach den tränenförmigen, perlenartigen Samen. In vielen asiatischen Ländern ist Yi Yi Ren ein alltägliches Nahrungsmittel und wird in Suppen, Congee und Desserts verwendet. Eine berühmte Geschichte erzählt vom Han–Dynastie–General Ma Yuan, der im 1. Jahrhundert n. Chr. seine Truppen während eines Feldzugs im tropisch–feuchten Süden mit Yi Yi Ren vor Feuchtigkeit–Krankheiten schützte. Als er einen Wagen voll der Samen mit nach Hause brachte, wurde er fälschlich beschuldigt, Perlen geschmuggelt zu haben.
Kontraindikationen & Vorsicht
Vorsicht in der Schwangerschaft — traditionell wird Yi Yi Ren als potenziell wehenfördernd eingestuft, auch wenn diese Wirkung in niedrigen Dosen gering ist. Nicht als alleiniges Mittel bei ausgeprägtem Yin–Mangel mit Trockenheit — die ausleitende Wirkung kann die Körperflüssigkeiten weiter reduzieren. Bei starkem Qi–Mangel ohne Feuchtigkeit ist Yi Yi Ren nicht das richtige Mittel.
Botanik
Coix lacryma–jobi var. ma–yuen ist ein einjähriges Süßgras (Poaceae) aus der Unterfamilie Panicoideae. Die Pflanze wird 1–1,5 m hoch und bildet kräftige, aufrechte Halme mit breiten, lanzettlichen Blättern. Die männlichen und weiblichen Blüten sitzen getrennt an derselben Pflanze. Die therapeutisch genutzten Samen sind hart, rundlich–oval und von perlmuttartig–weißer Farbe. Sie sind von einer harten, glänzenden Fruchthülle umgeben, die vor der Verwendung entfernt wird. Die geschälten Samen ähneln kleinen, weißen Perlen. Vorkommen:
- Ganz China — besonders Fujian, Hebei und Liaoning (Hauptanbaugebiete)
- Südostasien — weit verbreitet als Nahrungsmittel in Japan, Korea, Thailand und den Philippinen
- Feuchte, warme Standorte in Niederungen und Flusstälern
- Überwiegend aus landwirtschaftlichem Anbau — wichtige Nutzpflanze mit Doppelfunktion als Nahrung und Arznei
Erntezeit
Herbst (September–Oktober), nach Reifung der Samen
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