Shi Gao — Gips

Das stärkste Mineral der TCM gegen loderndes Feuer im Magen und in der Lunge

Ein Mineral, das Fieber senkt wie kein pflanzliches Mittel — Shi Gao löscht loderndes Feuer im Magen und in der Lunge mit der Kälte von rohem Gips. Zhang Zhongjing setzte es in seinem legendären Bái Hǔ Tāng ein, der Weißer–Tiger–Abkochung gegen hohes Fieber.

Gips Gypsum Fibrosum 石膏 Shi Gao

Geschmack Süß, Scharf
Temperatur Kalt
Meridian Lunge, Magen
Pflanzenteil Mineral
Klasse Mittlere Klasse
Wirkrichtung Hitze klärend

Aide pour Chaleur

Shi Gao — Gips oder Kalziumsulfat–Dihydrat — ist das mächtigste Hitze–klärende Mineral der chinesischen Materia Medica. Es wird eingesetzt, wenn hohes Fieber, starker Durst, profuses Schwitzen und ein überflutender Puls auf Qi–Ebene–Hitze im Yáng Míng hinweisen. Zhāng Zhòng Jǐng setzte es bereits im 2. Jahrhundert in seiner berühmten Rezeptur Bái Hǔ Tāng — dem „Weißer–Tiger–Dekokt“ — ein. Der süße Geschmack nährt die Körperflüssigkeiten, während die scharfe Komponente die Hitze nach außen leitet. Trotz seiner extremen Kälte schädigt Shi Gao bei korrekter Anwendung das Milz–Yang nicht so stark wie andere kalte Arzneien.

Wirkung aus westlicher Sicht

Kalziumsulfat–Dihydrat (CaSO₄·2H₂O) hat nachweislich antipyretische Eigenschaften. Tierexperimentelle Studien zeigen eine signifikante Senkung der Körpertemperatur bei Fieber. Die äußerliche Anwendung als Wundauflage wird in der modernen Medizin durch die feuchtigkeitsabsorbierende Wirkung des kalzinierten Gipses bestätigt. Shi Gao zeigt in Kombinationspräparaten mit Ma Huang (Ephedra) synergistische bronchodilatatorische Effekte, wobei der kühlende Gips die wärmende Nebenwirkung der Ephedra ausgleicht.

Wirkung aus TCM–Sicht

Shi Gao klärt Hitze auf der Qi–Ebene und löscht Feuer, insbesondere im Magen und in der Lunge. Es stillt Durst, lindert Reizbarkeit und senkt hohes Fieber. Bei Lungen–Hitze mit Husten und Atemnot ist es unverzichtbar. Äußerlich angewendet — als kalzinierter Gips (Duàn Shí Gāo) — fördert es die Wundheilung, trocknet nässende Ekzeme und absorbiert Feuchtigkeit. Es leitet Yáng Míng–Kanal–Hitze ab, die sich als Zahnschmerzen, Kopfschmerzen und Zahnfleischbluten manifestiert.

Anwendung & Dosierung

Im Dekokt 15–60 g — dabei muss Shi Gao stets vorher zerkleinert und 20–30 Min. vorgekocht werden (Xiān Jiān). Bei schwerem Qi–Ebene–Fieber sind Dosen bis 120 g in der klassischen Literatur beschrieben. Kalzinierter Gips (Duàn Shí Gāo) wird nur äußerlich als Puder angewendet. Als Granulat–Extrakt typischerweise 3–6 g.

Darreichungsformen

Dekokt (roh, vorkochen), Granulat, äußerlich als Puder (kalziniert)

Dosierung

15–60 g (Dekokt, vorkochen), äußerlich nach Bedarf

Kombinationen & Formeln

Mit Zhī Mǔ, Gān Cǎo und Jīng Mǐ in Bái Hǔ Tāng bei hohem Fieber mit Durst und Schwitzen. Mit Má Huáng in Má Xìng Shí Gān Tāng bei Lungen–Hitze mit Husten und Atemnot. Mit Shēng Dì Huáng und Mài Mén Dōng bei Magen–Hitze mit Mundtrockenheit. Mit Huáng Lián und Shēng Má bei Zahnschmerzen durch Magen–Feuer.

Kontraindikationen & Vorsicht

Kontraindiziert bei Yang–Mangel, Kälte im Magen, schwacher Verdauung und bei Fieber durch Yin–Mangel (leeres Feuer). Nicht anwenden bei Schwäche des Milz–Yang oder bei Durchfall durch Kälte. In der Schwangerschaft nur nach strenger Indikation. Bei längerer Einnahme kann Shi Gao das Milz–Yang schwächen.

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