Mu Xiang — Costuswurzel
Mu Xiang — die Costuswurzel — ist eines der stärksten Qi–bewegenden Kräuter für den Mittleren und Unteren Erwärmer. Ihr intensiver, aromatischer Duft durchdringt Stagnation und lindert krampfartige Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. In der TCM–Praxis ist sie unverzichtbar bei allen Formen von Qi–Stagnation im Verdauungstrakt.
Wirkung aus westlicher Sicht
Costunolid und Dehydrocostus–Lacton — die Hauptwirkstoffe — zeigen in Studien spasmolytische Wirkung auf die glatte Muskulatur des Darms. Pharmakologische Untersuchungen belegen eine cholagoge (galleflussanregende) Aktivität. Antimikrobielle Wirkung wurde gegen verschiedene Darm–Pathogene nachgewiesen. Neuere Studien zeigen eine entzündungshemmende Wirkung durch Hemmung von NF–κB.
Wirkung aus TCM–Sicht
Mu Xiang bewegt Qi und lindert Schmerzen — besonders im Mittleren und Unteren Erwärmer. Es reguliert das Qi der Milz und des Magens bei Blähungen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit. Im Dickdarm behandelt es Tenesmus (schmerzhaften Stuhldrang) bei Dysenterie. Die warme, aromatische Natur durchdringt Stagnation und wärmt die Mitte. Mu Xiang wird auch als Assistent (Zuǒ) in tonisierenden Rezepturen verwendet, um Stagnation durch schwer verdauliche Tonika zu verhindern.
Anwendung & Dosierung
3–10 g im Dekokt (Standarddosis) Nur kurz mitkochen (letzte 5 Min.) — langes Kochen zerstört die ätherischen Öle Als Pulver: 1–3 g pro Einnahme Shēng Mù Xiāng (roh): stärker Qi–bewegend Zhì Mù Xiāng (geröstet): milder, weniger austrocknend
Darreichungsformen
Dekokt (kurz mitkochen), Pulver, Tabletten, Granulat
Dosierung
3–10 g (Dekokt)
Kombinationen & Formeln
Mit Sha Ren bildet es das klassische Paar zur Qi–Regulation im Verdauungstrakt — zusammen in Xiang Sha Liu Jun Zi Tang bei Milz–Qi Mangel mit Stagnation. Mit Huang Lian in Xiang Lian Wan bei Dysenterie mit Tenesmus — Mu Xiang bewegt das Qi, Huang Lian klärt die feuchte Hitze. Mit Bing Lang bei Nahrungsstagnation mit Blähungen und Druckgefühl im Abdomen.
Geschichte & Tradition
Mu Xiang wird im Shén Nóng Běn Cǎo Jīng als Kraut der mittleren Klasse aufgeführt. Ursprünglich aus Nordindien und dem Himalaya stammend, gelangte die Wurzel über die Seidenstraße nach China und wurde als Mù Xiāng — Holz–Duft — bekannt: ein Verweis auf den intensiven, holzig–aromatischen Geruch. Zhang Zhongjing verwendete Mu Xiang in Rezepturen gegen Durchfall mit Bauchkrämpfen. In der Song–Dynastie wurde es zum Bestandteil der berühmten Xiang Sha Liu Jun Zi Tang — einer Erweiterung der Sechs Edlen, die Qi–Stagnation mit Milz–Schwäche verbindet.
Kontraindikationen & Vorsicht
Nicht anwenden bei Yin–Mangel mit Trockenheit oder bei Qi–Mangel ohne Stagnation — die warme, aromatische Natur trocknet aus und bewegt Qi nach unten. Bei Feuer–Mustern aus Yin–Mangel kann Mu Xiang die Hitze verschlimmern. Bei Schwangerschaft mit Vorsicht verwenden, da die stark Qi–bewegende Wirkung das fetale Qi beeinträchtigen kann.
Botanik
Aucklandia lappa (Syn. Saussurea costus) ist eine ausdauernde Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), die 1–2 m hoch wird. Die medizinisch verwendete Pfahlwurzel ist dick, holzig und verströmt einen charakteristischen, durchdringenden Duft. Die Wurzel wird im Herbst ausgegraben und getrocknet. Vorkommen: Ursprünglich im Himalaya (Kashmir, Nordindien) beheimatet, heute auch in Yunnan und Sichuan kultiviert. Die Pflanze steht unter CITES–Schutz (Anhang I), daher stammt handelübliche Mu Xiang aus Kultivierung.
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